Commando: US-Propaganda Cartoons im Zweiten Weltkrieg

Der Fuehrer's Face

 

Die Häufung popkultureller Hitler-Auftritte nimmt kein Ende. Mit der Hitler-Figur von Satiriker Walter Moers wurde er inzwischen auch als Animation zum Leben erweckt. Heftiger Kritik ist inzwischen inflationsbedingten Ermüdungserscheinungen gewichen. Dabei ist Hitler als Satire-Star so alt wie der Diktator selbst. Auch als Comic. Wurde Moers' Cartoon als Parodie auf den medial angefachten Hitler-Boom interpretiert, diente die Persiflage in den frühen US-Produktionen allerdings der Propaganda gegen Nazi-Deutschland. Schon in den frühen 40er Jahren war Hitler in zahlreichen Kurzfilmen an der Seite von Business - Größen wie Daffy Duck oder Disneys Donald Duck und Mickey Mouse zu sehen. 


Das bekannteste Beispiel für Propaganda-Cartoons ist vermutlich Jack Kinneys Donald Duck Episode DER FUEHRER'S FACE. Ursprünglich unter dem Arbeitstitel "Donald Duck in Nutzi Land" produziert, gewann sie seinerzeit sogar einen Oscar für den besten animierten Kurzfilm. Während der amerikanischen Militärintervention in Deutschland entstanden ca. 150 Anti-Nazifilme in den USA, die zum Teil auch mit den traditionellen Mitteln der komödiantischen Satire arbeiteten, statt ausschließlich mit plakativer Propaganda. So hielt die Walt Disney Corporation auch einen Kinderfilm zu dem Thema für machbar, in dem Donald Duck von SS-Schergen zur Arbeit in einer Bombenfabrik gezwungen wird. Das Lied: "In der Führer's Face there is the Master Race" begleitet ihn am Fließband, wo er ständig dem Führergesicht im Porträt salutieren muss, bis er nach einem Nervenzusammenbruch eine großen Explosion verursacht, aus der er aber dann doch schließlich erleichtert wie aus einem Albtraum erwachen und weinend vor Glück die Freiheitsstatue umarmen kann.

In DER FUEHRER'S FACE wird gezielt ein Schreckensszenario des deutschen Alltaglebens inszeniert. Die Symbolik des Dritten Reichs ist omnipräsent im "Nutziland". Bäume und Büsche, Mülhräder und Windmühlen, Tapeten, Strommasten und der Wecker mit der Pickelhaube, die gesamte Umwelt erscheint in Form von Hakenkreuzen. Das Leben ist von Drill, Zwang, Bedrohung und blindem Gehorsam gekennzeichnet und selbst der Hahn vor dem Haus und die Kuckucksuhr im Schlafzimmer brüllen "Heil" zum Hitlergruß. "Mein Kampf" gehört zur all morgendlichen Pflichtlektüre und Urlaub findet nur für wenige Minuten vor gemalten Naturkulissen statt. Ansonsten herrscht ein trübseliger Alltag. Zum Frühstück gibt es nur eine Kaffeebohne und das trockene Brot muss mit einer Säge in Scheiben geschnitten werden. Das Aroma von Schinken und Eiern gibt es nur als Spray.

Dem gegenüber steht die heile amerikanische Welt, in die Donald nach seinem Erwachen überglücklich zurückkehrt. Ähnlich wie zuvor das Hakenkreuz ist hier die US-Flagge das vorherrschende Symbol und anders als die graue Welt der Deutschen ist das heimische Zimmer sonnendurchflutet und freundlich. Eine Miniatur der Freiheitsstatue, deren erhobene Fackel als Schatten an der Wand in einer ersten Schrecksekunde an einen Hitlergruß erinnert, steht auf dem Fensterbrett und wird von Donald am Ende freudig in den Arm geschlossen: "I'm glad to be a citizen of the United States of America!" Aufgrund der Tatsache, dass Donald Duck im Film zeitweise als Nationalsozialist porträtiert wird, wurde der Film von Disney lange unter Verschluss gehalten. Auch in Deutschland wurde er bis heute nie offiziell veröffentlicht oder aufgeführt.


Daffy - The Commando

Anders als DER FUEHRER'S FACE, in dem vor allem das deutsche Alltagsleben unter der Herrschaft der Nationalsozialisten karikiert und Donald Duck als unterdrückter deutscher Zwangsarbeiter dargestellt wird, wendet sich Warner Bros.'  DAFFY - THE COMMANDO von 1943 aus der Looney Tunes Serie der militärischen Seite des Zweiten Weltkriegs zu. 

Daffy springt als G.I. mit einem Fallschirm hinter den deutschen Linien ab. Fröhlich vor sich hin trällernd wird er dabei wie in einem Spotlight von den deutschen Flagscheinwerfern beleuchtet, vor denen er nach seiner unbeschadeten Landung einige Handschattenspiele aufführt. Sehr zu Begeisterung des debilen Adjutanten Schulz, der ansonsten nicht viel zu lachen hat, da er unter dem knallharten Drill seines vorgesetzten Offiziers steht, der seinerseits strikte Anweisungen von der Gestapo erhält, keinesfalls ein feindliches Sonderkommando durchzulassen. Das ist allerdings längst geschehen. In dem deutschen Stützpunkt liefert sich Daffy einige Scharmützel mit deutschen Messerschmitts, dem Offizier und dem malträtierten Schulz, der für alle Fehler seines Befehlshabers gerade stehen muss und von diesem dafür noch bestraft wird. Am Ende lässt sich Daffy als lebende Kanonenkugel von dem siegessicheren Offizier geradewegs, mit amerikanischen Flaggen in beiden Händen, zu einem Reichsparteitag schießen, wo er Hitler auf dem Rednerpult ein Hammer über den Kopf schlägt.

Auch hier werden wieder, wie in DER FUEHRER'S FACE, höhnisch die vermeintlich typisch deutschen Tugenden, wie Pünktlichkeit, Obrigkeitsdenken, Vorliebe für Sauerkraut und Kartoffelsuppe parodiert. Die Figur des Schulz ist nicht in der Lage eigenständig zu denken und handelt nur auf Impulse seines Vorgesetzten. Die deutsche Sprache wird hier als Phantasie - Kauderwelsch improvisiert, bei dem nur vereinzelt Satzfetzen wie "Heil Hitler", "Dummkopf" oder eben das immer wiederkehrende "Schulz" verständlich sind. Daffy wird hingegen als der überlegene, coole G.I., der selbstsicher auch in brenzlichen Situationen das Heft in der Hand hat und spielend die deutschen Truppen gegeneinander ausspielt, inszeniert. Als er fünf Messerschmitts - Jagdflugzeuge dazu bringt sich gegenseitig abzuschießen kommentiert das Daffy salopp mit einem "A mess of Messerschmitts".