"Phantastisch, wenn solche Legenden die eigenen Worte zum Leben erwecken"

Die drei ??? stürmen die Charts: Ein Interview mit Autor Hendrik Buchna

Als Hörspiel- und Synchronsprecher sind sie Koryphäen: Horst Naumann und Eckart Dux, inzwischen knapp 90, und Christian Rode, fast 80 Jahre alt. Nun stürmen sie gemeinsam mit Folge 162 des Hörspieldauerbrenners "Die drei ???" zum Verkaufsstart sensationell die Spitze der deutschen Charts - vorbei an Daft Punk, den Pet Shop Boys und dem Comeback-Album von Black Sabbath. In "Die drei ??? und der schreiende Nebel" leihen sie kauzigen, alten Bewohnern eines abgelegenen, fast verlassenen und von unheimlichen Phänomenen bedrohten Dorfes in South Dakota ihre Stimmen. Autor Hendrik Buchna ist eine Folge gelungen, die an die frühen Klassiker der Serie erinnert und deshalb in Fankreisen bestens aufgenommen wird. 


Christian Düringer: "Die drei ??? und der schreiende Nebel" ist erst dein zweiter regulärer Hörspiel-Fall für "Die drei ???" und der geht gleich von Null auf Eins in den Amazon-Musik-Charts. Wie fühlt sich das an?

 

Hendrik Buchna: Wenn man meine "DiE DR3i"-Hörspiele und die Kurzgeschichtensammlung "Die Geisterlampe" nicht mitrechnet, ist der "schreiende Nebel" tatsächlich erst meine zweite reguläre "???"-Hörspielfolge. Allerdings war ich ja am Special "Die drei ??? und der dreiTag" beteiligt, und da dieser Dreiteiler im Oktober 2010 ebenfalls auf Platz 1 der Musik-Charts stieg, durfte ich dieses unglaubliche "Wow"-Gefühl schon einmal erleben. Daran gewöhnen werde ich mich aber niemals – dafür ist der Anblick einer solchen Tabelle einfach zu surreal. 


Das Hörspiel wurde ja mit echten Hörspiel-Veteranen wie Horst Naumann, Christian Rode und Eckart Dux hochklassig besetzt. Dennoch wurde wie immer auch gekürzt. Bist du zufrieden mit der Umsetzung?

 

Ja, mit der Umsetzung bin ich ausgesprochen zufrieden, zumal ja mein großer Herzenswunsch erfüllt werden konnte, den fabelhaften Horst Naumann nach über 25 Jahren wieder in seiner Rolle als Professor Arnold Brewster ("Das Volk der Winde") zurückkehren zu lassen. Auch für die übrige Besetzung durfte ich im Vorfeld einige Vorschläge machen, und über das Ergebnis habe ich mich riesig gefreut. Mit Eckart Dux war es nach "Das Haus der 1.000 Rätsel", der "Darkside Park"-Doppelfolge "Das böse Zimmer" und der "MindNapping"-Episode "Der Traumtänzer" übrigens schon unsere vierte Zusammenarbeit. Es ist immer wieder ein phantastisches Gefühl, wenn solche Stimmen-Legenden die eigenen Worte zum Leben erwecken. 

 

Ist es üblich, dass es mit den Autoren Rücksprachen für die Hörspiel-Adaption gibt? Werdet ihr neben den Vorschlägen für die Besetzung auch bezüglich etwaiger Kürzungen um Rat gefragt?

 

Da kann ich nur für mich selbst sprechen. Im Vorfeld der Studio-Aufnahmen sende ich traditionell einige Vorschläge zu den Sprechern ein, da ich bereits beim Schreiben der Buch-Manuskripte oft eine konkrete Stimme im Ohr habe. Diese können in der Regel dann auch tatsächlich realisiert werden. Durch die gemeinsame "DiE DR3i"-Zeit habe ich ja noch immer eine enge Hörspielbindung zu EUROPA. Die "kreative Hoheit" der Hörspiel-Adaptionen haben aber natürlich Heikedine Körting und André Minninger.

 

Wie bist du auf die Idee der Geschichte bekommen? Warst du selbst schon in den USA, um dich inspirieren zu lassen?

 

Lustigerweise hatte Oliver Rohrbeck an der Idee für dieses Buch maßgeblichen Anteil – allerdings nicht in seiner Paraderolle als Justus Jonas, sondern als Julian Kirrin von den "Fünf Freunden". In der Hörspielfolge 10 "Fünf Freunde im Nebel" geraten Julian, Dick, Anne und George nämlich in besagten unheimlichen Nebel, der immer wieder über die Gruselheide (welch großartiger Name!) hereinbricht. Dieses atmosphärisch unglaublich intensive Hörspiel und vor allem die Beschreibung des drohend aufziehenden, immer undurchdringlicher werdenden Nebels haben mich als Kind dermaßen in den Bann geschlagen, dass ich unbedingt selber einmal eine spannende Nebelgeschichte schreiben wollte. Damals hätte ich mir allerdings nicht träumen lassen, dass ich dies für die "Die drei ???" tun und den tapferen Oliver Rohrbeck, diesmal als Justus, erneut auf Nebel-Expedition schicken würde. 

 

Wie geht man als Buch-Autor der "Drei ???" damit um, dass die drei Hauptsprecher der Hörspiele Oliver Rohrbeck, Andreas Fröhlich und Jens Wawrczeck die meisten Lorbeeren abgreifen, während ihr sicher mehr Arbeit investiert?

 

Mit der Popularität von Oliver, Jens und Andreas habe ich absolut kein Problem. Die drei haben immens viel für unsere Serie getan und ihr über nun fast 35 Jahre hinweg eine akustische Identität verliehen. Dass sie so unglaublich beliebt bei den Fans sind, finde ich großartig. Schließlich sind wir alle Teil eines weitgefächerten "Die drei ???"-Universums, dessen vereinende Maxime lautet, die Menschen gut zu unterhalten.

 

Wird man dich zukünftig häufiger bei den Record Release Partys der Lauscherlounge antreffen?

 

Sofern es sich zeitlich einrichten lässt, auf jeden Fall. Die Veranstaltung in Dortmund fand ich rundum klasse, und ich freue mich schon sehr auf das nächste Mal.