Raum für Imagination: Ein Nachruf auf Aiga Rasch

Die langjährige Drei ??? Illustratorin prägte die Serie durch schlichtes Design

Das typisch reduzierte schwarze Design von Rasch
Das typisch reduzierte schwarze Design von Rasch

Bereits am 24. Dezember 2009 verstarb Aiga Rasch im Alter von 68 Jahren. Bekannt wurde die 1941 in Stuttgart geborene Illustratorin vor allem durch das von ihr entworfene prägnante Design der "Die Drei ???"-Reihe. Als Tochter eines Architekten und einer Modegrafikerin wuchs Rasch in Schönbuch bei Stuttgart auf und strebte zunächst eine Karriere als Journalistin an, studierte u.a. Germanistik, Philosophie und Psychologie in Tübingen. Bevor sie 1961 heiratete und ihr Studium abbrach, begann Rasch zu zeichnen. Sie perfektionierte ihre Leidenschaft, übernahm erste Auftragsarbeiten und wurde schließlich von einer Zeitschrift für Verbraucherschutz verpflichtet. Später arbeitete sie für diverse Verlage im In-und Ausland, u.a. auch für den Kosmos-Verlag, für den sie bis dahin Mädchenbuchcover gestaltete. 

Der Legende nach kommt Rasch im Jahr 1969 wieder einmal bei Kosmos vorbei, um einige Entwürfe abzugeben, als sie die ersten beiden Bücher der "Drei ???" von Alfred Hitchcock mit den Schutzumschlägen von Jochen Bartsch entdeckt. Als sie erfährt, dass die Bücher nicht besonders gut laufen, bietet sie, angestachelt vom großen Namen des Schirmherrs, ihre Hilfe an. Trotz anfänglicher Skepsis, eine Frau mit einem eher männlichen Thema zu beauftragen, lässt man Rasch gewähren, als sie anbietet, zunächst auf ein Honorar zu verzichten. Als Rasch ihre inzwischen legendäre Konzeption mit dem schwarzen, klar strukturierten Grundlayout präsentiert, ist der Verleger zunächst entsetzt. Noch nie habe es ein schwarzes Jugendbuch gegeben. Rasch glaubt gerade darin Potential zu erkennen und sollte Recht behalten. Bis heute ist ihr Layout in Gebrauch und hat einen maßgeblichen Beitrag zu der Erfolgsgeschichte der Serie in Deutschland beigetragen 

Im Laufe der Jahre variierte Rasch ihre Techniken. Sie experimentierte mit Farbfolien, den damals neuartigen Filzstiften und etwa gleichzeitig mit dem Erscheinen des erstes Hörspiels auf Schallplatte, das ebenfalls auf ihre Illustrationen zurückgriff, bevorzugt sie die Aquarelltechnik. Ab 1992 zeichnete und layoutete sie schließlich verstärkt am Computer bis sie 1999 in Ruhestand ging. 

Plakativ-comichaft: Internationale Cover-Illustrationen von "The Secret of Phantom Lake"
Plakativ-comichaft: Internationale Cover-Illustrationen von "The Secret of Phantom Lake"

Das schwarze Layout mit den weiß, rot, blauen Fragezeichen überlebte das Ausscheiden Raschs und auch die aktuellen, von Silvia Christoph entworfenen Motive, knüpfen an Raschs eigenwilligen, oft fast etwas abstrakt anmutenden Stil an, der niemals die drei Protagonisten abbildet, um die Phantasie der Leser und Hörer nicht zu beeinflussen. Hier liegt womöglich das Geheimnis des ungebrochenen Erfolges, den die Serie in Deutschland seit nunmehr 42 Jahren verbuchen kann, während sie in allen anderen europäischen Ländern, den USA und Japan, in denen sie einst erschien, längst eingestellt wurde. Comicartig überfrachtet kommen sämtliche internationale Cover-Varianten daher. Plakativ auf Action gebürstet spiegeln die Illustrationen die Rätsel- und Mystery-Schwerpunkte kaum wieder. Rasch deutete mit nebulösen Darstellungen hingegen immer nur subtil, teils symbolisch an, ohne Figuren kenntlich zu machen, ohne konkrete Handlungselemente vorwegzunehmen und oft ohne den Inhalt des Buches sofort als Kindergeschichte zu entlarven. Sie versinnbildlichte die Charakteristik der Reihe perfekt. Es blieb Raum für Interpretation und Imagination. Das zeitlose Design ist darüber hinaus sich einer der Gründe, die das einmalige Phänomen einer Jugendserie erklären, die ihr Publikum ins Erwachsenenalter begleiten konnte. Mit Aiga Rasch verliert die Serie eine ihrer wichtigsten kreativen Köpfe.

 

(Quelle: Abbildungen und Fotos von Aiga Rasch und rocky-beach.com)