MEN Arena/Manchester (22. November 2007)

Babyshambles & Dizzee Rascal

Foto: NME
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"It's hard playing sober, y'know. I don´t know what's going on.", entschuldigt sich Pete Doherty, als er zurück auf die Bühne getrottet kommt. Kurz zuvor hatte er sich nach gut der Hälfte der Show Backstage eine kleine Auszeit genehmigt und damit für leichte Irritationen im Publikum gesorgt, das dann aber gleich wieder fleißig "Pete, Pete, Pete..." skandiert. Müde und vom Entzug sichtlich ausgelaugt lehnt er am Mikroständer. Es sieht fast wie das Finale einer kräftezehrenden Welttournee aus, dabei findet heute in Manchesters gigantischer MEN Arena erst der Auftakt der Europatour statt. Grund zum entschuldigen besteht eigentlich dennoch nicht, auch wenn die Show nach dem furiosen Start mit "Carry On Up The Morning", "Delivery", "Beg, Steal Or Borrow" und "Baddies Boogie" etwas an Fahrt verloren hat. Der angeschlagene Pete ist gut bei Stimme und die solide aufspielenden Babyshambles kitten die Zerfahrenheit ihres Frontmanns wo es nötig ist. Das zweite Set beginnt zunächst wie das erste aufgehört hatte, die Stücke vom neuen Album SHOTTERS NATION dominieren und wurden bisher nur vereinzelt durch Songs der THE BLINDING EP unterbrochen. 

Die Band versammelt sich dicht um Pete herum am rechten Bühnenrand. Im Schein einer Stehlampe versucht man vergeblich der seelenlosen und mit ca. 10.000 Zuschauern gefüllten aber bei weitem nicht ausverkauften Arena so etwas wie gemütliche Unplugged-Atmosphäre abzutrotzen. Nach einer kurzen akustischen Jamsession folgen "Lost Art Of Murder" und "There She Goes (A Little Heartache)". Die hübschen Balladen werden von den Fans zwar anerkennend goutiert, bremsen die Dynamik aber weiter aus. Die zahlreichen Kids nutzen die Gelegenheit sich endlich vom Getobe während des famosen Dizzee Rascal-Auftritts im Vorprogramm zu erholen und um sich - trotz neuem Nichtrauchergesetz in England – Zigaretten und Joints anzustecken. Bisher hatte Rascal den Shambles eindeutig die Show gestohlen. Doch mit den ersten Akkorden von "Albion" reist Doherty das Ruder urplötzlich herum und hat dabei leichtes Spiel. Manchester liegt ihm zu Füßen. Die aufgekommene Lethargie weicht leidenschaftlicher Euphorie. Die Band ist kaum noch zu hören, tausende Kehlen übernehmen die Regie. England-Flaggen werden ausgerollt. Dann werden die Akustikgitarren zur Seite gelegt und mit "Pipe Down" und "Killamangiro" die nächsten beiden lange ersehnten Knaller vom Debüt-Album DOWN IN ALBION gezündet. Bierfontänen schießen durch die Luft, Pete wird mit Schuhen und Klamotten bombardiert, im Moshpit gehen die kleinen Mädchen zu Boden. Danach wieder eine kurze Verschnaufpause. Erschöpft lässt sich Pete auf dem Schlagzeugpodest sinken und probiert scherzend einen Gio-Goi-Schuh an, bevor er ihn zurück in die Menge schleudert. Das Finale besteht aus "Back From The Dead" der Ska-Nummer "I Wish" und einem standesgemäß triumphalen "Fuck Forever". Dann ist sofort Schluss. Die Lichter gehen an. Zugaben gibt es keine. Eine solide Show. 

Verdammt viel hat sich geändert, seit dem letzten Gig der Babyshambles in Manchester im Februar, drüben im Apollo (siehe Review), an den man auf dem Nachhauseweg etwas wehmütig zurück denkt. Der Drogenkonsum gehört zwar offensichtlich endgültig der Vergangenheit an, sorgt aber noch eher für unschöne Nachwehen als für Verbesserung. Zumindest was die musikalische Darbietung betrifft. Pete wirkt ausgelaugt. Die häufig in den Ablauf eingestreuten Libertines-Nummern sowie die spektakulären "kommt-sie-oder-kommt-sie-nicht? was-hat-sie-an?" - Kurzauftritte von Kate Moss sind leider einer statisch in "neues Album", "altes Album" unterteilten Setlist gewichen. Dadurch verliert der heutige Auftritt im direkten Vergleich mit den vergangenen Shows vor wenigen Monaten deutlich an Suspense, erscheint für Pete Doherty-Verhältnisse ungewöhnlich vorhersehbar ohne echte Überraschungen, fast konventionell. Am ärgerlichsten ist aber die Location. An riesige Mehrzweckhallen mit schicken Projektionen und gigantischen Videoleinwänden muss man sich bei den Babyshambles hoffentlich nicht gewöhnen, auch wenn sie nun wohl endgültig in den Untiefen des Mainstreams angekommen zu sein scheinen. Wenigstens die Venues müssen schmuddelig bleiben, wenn schon Pete Doherty clean ist.