Moore Theatre/Seattle (2. August 2002)

Beck

Nachdem Beck auf seiner letzten Tour standesgemäß in großem Rahmen ein furioses Mashup-Feuerwerk der Musikstile abfackelte, ist man zunächst überrascht, als er nun alleine in bester Dylan-Manier - lediglich mit Akustik Gitarre und Harp bewaffnet - die spärlich dekorierte Bühne des altehrwürdigen Moore Theatres in Seattle betritt. Das todtrauriges Album SEA CHANGE, das er heute abend vorstellen will, kennt noch niemand. Es wird erst eine Woche später in den Läden stehen und Becks bis dahin erfolreichstes Album überhaupt werden.

 

Die Songs sind so düster wie ihre Titel: "Lost Cause", "Lonesome Tears", "Already Dead", "Nothing I Haven't Seen". Fast alle sind sie nach der Trennung mit seiner langjährigen Freundin Leigh Limon entstanden. Ganz so melancholisch, fast niederschmetternd wie später auf Platte geraten die neuen Stücke live aber nicht, was vor allem an Becks ausgedehnten Storytelling-Einschüben liegt, in denen er scherzt, Anekdoten zu besten gibt oder zeitweise sogar gut aufgelegt mit einzelnen Zuschauern in den ersten Reihen plaudert. Dazwischen singt er wieder so schaurig-schön und schonungslos offen von seinen inneren Abgründen, dass es einem beinahe die Kehle zuschnürt:  "It's only lies that I'm living/ It's only tears that I'm crying/ It's only you that I'm losing/ Guess I'm doing fine..."

 

Schon auf seinem Album MUTATIONS von 1998, von denen er auch einige Stücke in sein Set einstreut, bewies Beck, dass er mühelos auch ohne Soundgefrickel, Samples und Loops auskommen kann. Dieser erste, aufs wesentliche reduzierte Leg seiner US-Tour schlägt wieder genau in diese Kerbe. Es sollte einen in Zukunft also nicht mehr wundern, wenn der Mann verstärkt als Singer/Songwriter punktet.