Soul Power: Curtis Harding stellt sein Solodebüt in Frankfurt vor (Foto: Christian Düringer)
Foto: Christian Düringer

Kesselhaus/Wiesbaden (18. Januar 2016)

Ben Caplan & The Casual Smokers

Mehr als nur ein Nachahmer von Tom Waits

Klar, Ben Caplan bedient sich an allen Ecken und Enden am Erbe vom Tom Waits. Entsprechend oft taucht der Name in seiner Gegenwart auf. Der Kanadier bellt, krächzt, raunt und poltert nicht nur genauso schön schräg wie sein Vorbild, auch seine Songs und seine Performance sind geprägt von ähnlicher Verschrobenheit.

 

Schratig und zugewuchert wie Will Oldham ist Caplan sofort in seiner Rolle. Wie ein durchgeknallter Schausteller führt er durch die Show, deren Hauptdarsteller er zugleich ist und seine Band die Artisten. Dass man ihn nicht vorschnell als Waits-Epigone abtun sollte, liegt vor allem an seinem Talent. Zu viele gute Songs hat er in seinem Repertoire und den große Zampano in der Manege spielt er auch einfach verdammt überzeugend. Das beweist seine enorme Bühnenpräsenz. 

 

Das Wiesbadener Publikum im fast ausverkauften Kesselhaus liegt ihm jedenfalls sofort zu Füßen. Ob es stampft und rumpelt, Caplan kirmeszeltartigen Gypsy-Folk anstimmt, wilde Eskapaden auf der Melodica treibt oder melancholisch ohne Band den Crooner am Piano bei "Lovers' Waltz" gibt, die Fans danken es dem Mann aus Halifax. 

 

Bei Caplan sind auch die Zwischentöne Programmpunkte. Da fliegen schon mal Weingläser durch die Gegend und jede noch so kleine Ansage gerät für sich zur Showeinlage. Dazu gehört auch augenzwinkerndes bepöbeln. Als die Band sich für ein Stück zurückzieht, schiebt er das auf deren Heroinkosnum und  auch das Auditorium wird gedisst, als es nicht laut genug intoniert.

 

Sein Set bestreitet Caplan aus den beiden LPs, die bisher erschienen sind: "In The Time Of The Great Remembering" (2011) und dem neuen Album "Birds With Broken Wings".  Dass er auf nicht ganz unbekannten Pfaden wandelt, ist Caplan durchaus  auch selbst bewusst und er versteht es, sich such selbst nicht allzu zu ernst zu nehmen: "The next song is an old traditional folk song...that I wrote." Da verzeiht man ihm dann auch gerne sofort die Nähe zu Waits und hofft mit ihm, dass sein Album und seine Tour die verdiente Resonanz bekommen. Ben Caplan gehört nämlich definitiv zu den positiven Überraschungen der letzten Monate. 

 

Text, Fotos und Video von Christian Düringer 



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