Columbia/Berlin (15. September 2008)

Conor Oberst and the Mystic Valley Band

Foto: Christian Düringer
Foto: Christian Düringer

Man könnte fast meinen die Konzerte von Conor Oberst stünden immer unter einem bestimmten Motto. Vom musikalischen Vortrag einmal abgesehen könnte der Berliner Auftritt unter seinem eigenen Namen und denen von Bright Eyes im vergangenen Jahr unterschiedlicher kaum sein. Damals zusammen mit seiner Band passend zum Bühnendekor in seltsam sakrale, weiße Gewänder gehüllt, mit langer Jesus-Matte aus der Offenbarung zitierend, erscheint Oberst im Columbia-Club kurz angebunden, fast rotzig-frech mit Britpopfrisur, Cowboyboots und einer Schüler-Indieband im Nacken.

 

"Evangelicals are strange" steht auf dem T-Shirt des Roadies. Der Conor Oberst von 2008 glücklicherweise nicht mehr. Angenehm frei von jeder Art von Spiritualität und Esoterik verläuft das Set, das alle Songs des von nach ihm betitelten Soloalbums umfasst. Angereichert mit einigen Coverversionen, die von den jeweiligen Mitmusikern mehr schlecht als recht zum Besten gegeben wurden. Ansonsten wirkte die Band sowie Oberst selbst sehr konzentriert und leidenschaftlich. Bright Eyes spielen an dem Abend keine Rolle. Selbsbebwusst vermeidet Oberst jede Verquickung mit bekannten Hits seiner Stammformation. Von Beginn an schafft er eine sehr intensive Atmosphäre, der auch während der Coverversionen nur ein kleines bisschen die Luft ausgeht. Ruhige Höhepunkte sind das wunderschöne "Lenders in the Temple" und "Eagle On a Pole", auch live mit dem umwerfenden Piano-Finale des Albums. Den Schluss markiert dann ein schweißtreibendes "I Don't Want To Die In The Hospital", bei dem sich das eher zurückhaltende Publikum doch noch zum Mitwippen genötigt sieht.