Muffathalle/München (18. September 2009)

Dinosaur Jr.

Foto: Christian Düringer
Foto: Christian Düringer

Es würde laut werden. So viel stand bereits fest, bevor das Trio um Mastermind J Mascis aus Massachusetts die Bühne der Muffathalle betraten. Dinosaur Jr. gehören inzwischen schließlich zu den letzten verbliebenen Indie-Bands der 80er und frühern 90er Jahren, die einst mit einer abenteuerlichen Kombination aus Noise-, Punk- und Hardrock den Weg für das ebneten, was schließlich mit dem Etikett Grunge den Mainstream eroberte und Musikgeschichte schrieb. 

Durch die Fuzzbox gejagte Gitarrenriffs und brachial lärmende Drums gehören somit ebenso zur Grundausstattung der Band wie eingängige, poppige Gesangs-Melodien. Genau die gehen heute jedoch zunächst völlig unter. Nachdem Mascis seine Gitarre eingestöpselt hat und mit seinen Kollegen ins Set einsteigt kann man seine Stimme bestenfalls hinter den ohrenbetäubend dröhnenden Soundwellen erahnen. Aber auch nur dann, wenn man ohnehin mit dem Oeuvre der Band bestens vertraut ist. Erst nach gut einem Drittel der Show haben die Tontechniker ein Einsehen und differenzieren den Mix - wenigstens ein bisschen. 

Neben den heimlichen Hits aus den Frühtagen wie "Freak Scene" und "Forget the Swan", kommen mit "Out There" auch Songs aus den 90ern nicht zu kurz, obwohl die Band seinerzeit nach dem Split nur noch aus Mascis und wechselnden Gastmusikern bestand. Erst seit 2005 sind die Pioniere des Alternative-Rocks wieder in Originalbesetzung vereint. Mit Mascis teilen sich nun wie in alten Zeiten Drummer Murph und Bassist Lou Balow die Bühne. 

Vor der Wand aus Marshall-Verstärkern wirkt Mascis mit inzwischen ergrauter Mähne teilweise wie der Frontman einer Metal-Band, würde er nicht konsequent sämtliche Showeinlagen verweigern. Gewohnt stoisch in bester Slacker-Manier konterkariert er die Musikstile und spult sein Set ab. Auch bei seinen psychedelischen, sich im Feedback-Gewitter auflösenden Gitarren-Soli, scheint er ausschließlich seine Finger zu bewegen. Nur Barlow kommuniziert hin und wieder mit den Fans. Aber auch dafür werden sie geliebt und die Band hält auch so spielend die Spannung aufrecht. Die neuen Songs von der aktuellen LP FARM werden hervorragend aufgenommen. Die beiden viel beachteten Alben nach der Reunion dienten bisher ohnehin nie nur als loser Vorwand, wieder mit einem Greatest-Hits-Programm touren zu können. Qualitativ knüpfen sie vorbehaltlos an frühere Großtaten an. Die aktuelle Single "Over It" mit ihrem lustigen Skater-Video ist der gefühlte Sommer-Hit aller ehemaligen Grunge-Kids, die sich erfolgreiche gegen das Erwachsenwerden sträuben. 

Nach gut anderthalb Stunden ist Schluss. Zugaben, wie das Cure-Cover "Just Like Heaven", werden auf Zurufe der Fans gespielt. Nach 25 Jahren Bandgeschichte hätte man sicher noch Material für weiter zwei Stunden parat gehabt, andererseits ist eine Erholung für die Ohren dann auch nicht verkehrt. Der streckenweise üble Sound am heutigen Abend ist nicht spurlos an den über tausend Zuhörern vorüber gegangen. Und es wird eben doch nicht nur J Mascis älter.