Fraport Arena/Frankfurt am Main (15. März 2014)

Die drei ??? erobern die Bühne

Phonophobia ist mehr überdrehtes Multimediatheater als Hörspiel

Die drei Fragezeichen -Phonophobia live in Frankfurt (Foto: Christian Düringer)
Andreas Fröhlich (Bob), Oliver Rohrbeck (Justus), Jens Wawrczeck (Peter) mit Geräuschemacher Jörg Klinkenberg und Sprecher Stefan Krause auf der Bühne (Foto: Christian Düringer)

Sie sind inzwischen ein ziemlich einzigartiges Phänomen. Nirgendwo sonst auf der Welt entwickelte sich eine so ausgeprägte und florierende Kultur für Kinder- und Jugendhörspiele wie in Deutschland und widerum keine der zahlreichen deutschen Hörpielserien aus der Blütezeit der 80er Jahre konnte seine Fans im Erwachsenenalter so massenhaft remobilisieren wie "Die drei ???".

 

Seit 1979 werden ohne Unterbrechung Adaptionen der eigentlichen Buchserie über die drei Juniordetektive produziert und Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews sind erfolgreicher denn je. Mehr als 45 Millionen verkaufte Tonträger und 16 Millionen Bücher machen "Die drei ???" zur langlebigsten und erfolgreichsten Jugendserie der Welt. Es sind inzwischen vor allem die längst erwachsenen Fans der Anfangstage, die im kollektiven Eskapismus der Serie huldigen, um unbeschwerten Kindheitstagen vorm Kassettenrekorder zu gedenken.

 

Der Zauber personalisiert sich mittlerweile immer stärker in Form der drei Hauptsprecher Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich, deren Stimmen ohne Unterbrechung seit 35 Jahren für Konstanz und wohlige Vertrautheit sorgen. "Es ist fast so, als würde man seine verschollenen Halbgeschwister wieder treffen oder Sandkastenfreunde, die man seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hat", erzählt die 33-jährige Yvonne im Vorfeld aufgeregt. Sie ist extra aus Kassel angereist, um eben jene Stimmen zu hören, mit denen sie aufgewachsen ist und mit denen sie seit Jahrzehnten abends einschläft. Diese Stimmen sind es, auf die die 5000 Fans in der ausverkauften Fraport-Arena in Frankfurt gewartet haben. Der Anteil der einst anvisierten Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen beläuft sich dabei auf vermutlich unter fünf Prozent. Fast alle hier sind jenseits der 30.

 

Multimedia-Theater statt Hörspiel

Pünktlich um 19 Uhr fällt der Vorhang in Form eines Heißluftballons, mit dem die drei Detektive auf die Bühne abstürzen und die Geschichte beginnt. Rohrbeck, Wawrczeck und Fröhlich werden mit tosendem Applaus empfangen und ähnlich wie die Hörspiele sind auch die Live-Shows inzwischen ein Selbstläufer. Bereits zum dritten Mal sind sie mit den drei ??? auf Tour und jedes Mal mit größerem Erfolg. Inzwischen finden in den größten Hallen Deutschlands mitunter Doppelshows an zwei Abenden statt und RTL hat sich angemeldet. Während man 2002 mit der "Master of Chess"-Tournee noch in relativ bescheidenem Rahmen in kleinen Uni-Städten auf spartanisch ausgestatteten und schlicht ausgeleuchteter Bühnen auftrat und mehr oder weniger versuchte die Studiosituation 1:1 darzustellen, ist der neue Fall "Phonophobia" nun eine spektakuläre Multimediashow.

 

In einem verborgenen Institut, in dem Justus, Peter und Bob nach ihrer Notlandung Hilfe suchen, wird mit Klängen die Illusion von Farben, Emotionen, Gerüchen und Geschmäckern erzeugt. Die Wunderwelt der sogenannten Synästhesie will der Bösewicht Yamada für seine Machenschaften missbrauchen, was die drei Detektive schnell durchschauen. Die überdrehte Story ist aber auch nicht weiter der Rede wert. Dass mit Kai Schwind ausgerechnet ein externer Regisseur mit einer Live-Inszenierung die Kohlen für die etwas schwächelnde Buch- und Hörspiel-Serie aus dem Feuer holt, war aber auch nicht zu erwarten. Die Theamtik ist eher Mittel zum Zweck, um möglichst viele audiovisuelle Register mit Hilfe einer Live-Band, riesigen schwenkbaren LED-Panels, bunten Lichteffekten, Videoanimationen und Fisheyeobjektiven zu ziehen. Auf seitlich installierten Leinwänden lässt sich das Geschehen schon fast perfekt, wie für eine spätere DVD-Veröffentlichung geschnitten, verfolgen.

 

Augenzwinnkernd durch den Serien-Kanon

"Phonophobia" ist mehr eine effektvolle Theateraufführung als Hörspiel und ganz auf die drei Hauptdarsteller zugeschnitten. Mit knapp 50 die Illusion zu erzeugen, es hier mit drei Teenagern aus Kalifornien zu tun zu haben, funktioniert bestenfalls noch auf CD. Auf der Bühne geht daher nichts ohne ein großes Augenzwinkern und zahlreiche Querverweise auf den großen Serienkanon. So führt die Geschichte die drei etwa zurück ins "Gespensterschloss" aus der allersten Buchfolge. Dort werden sie mit ihren eigenen über 30 Jahre alten Echos konfrontiert. Ein anschließnend begangener Mord wird schnell standesgemäß zurückgespult, denn in einer ???-Folge gab es ja noch nie einen Mord. Im zweiten Anlauf erleidet der Bösewicht, wunderbar verkörpert von Synchronsprecher Stefan Krause (u.a. Paul Giamatti in SIDEWAYS) dann nur noch einen Wadenbeinbruch (eine Anspielung auf die Tags zuvor verunglückte Produktmanagerin Corinna Wodrich).

 
Auch wenn der Pioniergeist der ersten Live-Tour längst verflogen und die damalige heimeligen Nerd-Atmosphäre längst dem Mainstream gewichen ist, bietet auch die dritte große Live-Show der drei ??? ein kurzweiliges und unterhaltsames Programm. Ob das ganze als Audio-Mitschnitt für den später angeprißenen USB-Stick oder als TV/DVD-Mitschnitt funktioniert, ist fraglich. Zu sehr lebt "Phonophobia" von Rohrbecks, Wawrczecks und Fröhlichs Bühnenpräsenz und dem wie immer furios aufspielenden Geräuschemacher Jörg Klinkenberg, der mit allerlei Alltagsgenständen die Handlung zum Leben erweckt. Mit Standing Ovations verabschieden die Zuschauer die drei Detektive in die Nacht.