Jahrhunderthalle/Frankfurt (11. Mai 2019)

Element Of Crime

Sven Regener und seine Mannen altern wie ein guter Wein

Element Of Crime sind schon seit über 30 Jahre im Geschäft. Ihr Mastermind Sven Regener geht auf die 60 zu. Und dennoch scheint sich die Band nach wie vor auf dem Zenit ihres Schaffens zu befinden. Ihr neues Album dominiert das Konzert in Frankfurt und lässt niemanden enttäuscht zurück. 

"Too Old To Die Young" steht auf den neuen T-Shirts, die man am Merchandise-Stand der Band erwerben kann. Elemet Of Crime sind tatsächlich bereits über 30 Jahre im Geschäft und die Mannen um Sven Regener gehen stramm auf die 60 zu. Insofern ist der augenzwinkernde Verweis aufs Alter zwar nachvollziehbar - aber unnötig. 

 

Es gibt Rockbands, die ihre jugendliche Physis konservieren müssen, um ihr Trademark nicht zu verlieren. Aber in die Verlegenheit kamen Element Of Crime nie. Ihr Trademark ist die Melancholie in Regeners bildgewaltigen Geschichten, die er ins Mikro raunt und die am besten sind, wenn sie von Losern und Gescheiterten handeln. Dazu das lakonische Gitarrenspiel von Jakob Ilja und das musikalische Changieren zwischen Indie-Rock und Chanson. 

 

Jugendlichkeit war also noch nie ein Parameter. Insofern auch nicht verwunderlich, dass das aktuelle Album der Berliner Band, ihr vierzehntes, zu den besten ihrer Karriere gehört. "Schafe, Monster und Mäuse" heißt es und das erste Stück "Am ersten Sonntag nach dem Weltuntergang" markiert auch den Auftakt an diesem Abend in der ausverkauften Frankfurter Jahrhunderthalle.

"Ein Brot und eine Tüte"

Es folgt der Titeltrack und das launige "Ein Brot und eine Tüte", das aus der Perspektive eines Mannes, der sich für den einzig normalen Menschen weit und breit hält, den Alltag einiger herrlich verschrobenen Figuren einer Berliner Mietswohnung skizziert. Dabei arbeitet er sich an seinem Einkaufszettel ab. Großartig.

 

Man bleibt bis dahin bei der Chronologie der LP und so könnte es eigentlich bleiben, aber natürlich soll ein Konzert auch immer einen Querschnitt der Kariere abbilden. Das weiß auch Regener. "Neue Songs, alles gut und schön, aber wo bleiben die alten?", fragt er stellvertretend für diejenigen im Publikum, die eher in Nostalgie schwelgen wollen. Und so werden natürlich auch Klassiker eingestreut, wie etwa "Deborah Müller" und "Am Ende denk ich immer nur an Dich" vom Album "Immer da wo Du bist bin ich nie".

Berlin ist das neue Delmenhorst

Dennoch dominieren die neuen Songs und sie fügen sich so nahtlos ins Gesamtwerk ein, dass ein Unkundiger hier unmöglich eine Zuordnung in die unterschiedlichen Epochen der Band seit den 90ern vornehmen könnte. Nur die Orte, an denen Regeners Geschichten spielen, könnten Anhaltspunkte sein.

 

Sang er einst von seiner Heimat "Delmenhorst" spielen viele Geschichten längst in seiner Wahlheimat Berlin. Darüber legen auch "Die Party am Schlesischen Tor" oder das fantastische "Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin", was später das reguläre Set beschließen wird, Zeugnis ab. 

 

Ein weiteres Highlight ist auch das epische "Gewitter", das live noch atmosphärischer inszeniert wird als auf dem Album. Zum Song "Karin, Karin" kommt Regeners Tocher Alexandra zum Duett mit ihrem Vater auf die Bühne und im polkartigen "Immer noch Liebe in mir" besingt er eines seiner Lieblingsthemen.

 

Als Zugabe kehrt Regener dann schließlich doch noch einmal nach "Delmenhorst" zurück und klingt wieder wie der deutsche Kris Kristofferson, der einst dichtete: "Freedom's just another word for nothin' left to lose". Bei Regener heißt das schlicht: "Erst wenn alles scheißegal ist, macht das Leben wieder Spaß." Beide meinen das gleiche. 

 

Am Ende freut man sich, dass Elelemt Of Crime immer noch da sind uns sie sich nach wie vor auf dem Zenit ihres Schaffens zu befinden scheinen. Sven Regener und seine Mannen altern wie ein guter Wein. 

 

Von Christian Düringer