Seasick Steve stellt sein neues Album in Wiesbaden vor (Foto: Christian Düringer)
Foto: Christian Düringer

Kesselhaus/Wiesbaden (5. November 2016)

Holly Golightly

Die britische Twang-Queen nach langer Abstinenz zurück in Deutschland

"You're terribly polite for a saturday evening", witzelt Holly Golightly nach ein paar Songs. Sie ist eigentlich gut aufgelegt. Dass der Funke nicht sofort auf das zunächst etwas reservierte Wiesbadener Publikum überspringen mag, liegt allerdings auch an ihr selbst. Denn sie wirkt ein wenig mitgenommen. So, als hätte sie es mit ihrer dreiköpfigen Band am Vorabend so richtig krachen lassen und käme jetzt noch nicht so ganz in die Gänge.

 

Bei den langsamen Stücken wie "Black Night" steht sie etwas phlegmatisch mit geschlossenen Augen und einem Glas in der Hand da und man wünscht sich, dem musikalisch zweifellos tollen Vortrag auch etwas gemütlicher und vielleicht leicht angetrunken aus einem bequem Sofa in einer schwummrigen Bar zu lauschen.

 

Es sind die Peppies, wie sie Holly nennt, die an diesem Abend zünden. Also die flotteren, tanzbaren Stücke mit dem für die Britin so typischen Sixties-Twang. Der wird von ihrem Gitarristen Bradley Burgess dann auch immer öfter famos in Szene gesetzt. 

 

Holly erzählt, dass sie nach vielen Jahren in den USA zurück nach England gezogen ist. Für die europäische Fangemeinde, die nach Hollys Zusammenarbeit mit den White Stripse und Soundtrackbeiträgen für Jim Jarmusch über die Jahre stetig wuchs, ein echter Glücksfall. In ihrer Zeit im amerikanischen Exil verirrte sie sich nämlich nur noch selten zurück. Die Shows im Frühjahr waren die ersten nach acht Jahren. Jetzt also eine weitere Fortsetzung. 

 

Ihre in den USA formierte Band The Brokeoffs, eigentlich nur eine Kollaboration mit dem Songwriter Lawyer Dave, ist daher zunächst einmal auf Eis gelegt. Die neue, neben Burgees sind das Bruce Brand an den Drums und Matt Radford am Upright Bass, ist fabelhaft, auch wenn man noch in Findungsphase steckt. Aber wenn die Abläufe noch nicht so rund laufen und das Zusammenspiel noch nicht perfekt harmoniert, verkauft Holly das sehr charmant und macht einfach einen Running Gag daraus.

Gitarrist Bradley Burgess sorgt im Wiesbadener Kesselhaus für den typischen Sixties-Twang (Foto: Christian Düringer)
Gitarrist Bradley Burgess sorgt im Wiesbadener Kesselhaus für den typischen Sixties-Twang (Foto: Christian Düringer)

 

Neben Klassikern wie "Crow Jane" und "Slowly But Surely" spielt sie einige Nummern vom aktuellen Album "Slowtown Now!", das ihren Umzug in die alte Heimat thematisiert. "Seven Wonders" und "Fool Fool Fool (Look In The Mirror)" werden sehr gut aufgenommen und beim Jaynetts-Cover "Sally, Go Round the Roses" ist dann auch das Wiesbadener Publikum im nicht ganz ausverkauften Kesselhaus restlos aufgetaut und feiert gebührend die Rückkehr der Holly Golightly.