Kurt Vile (Foto: Christian Düringer)
Foto: Christian Düringer

Zoom/Frankfurt am Main (4. Dezember 2013)

Kurt Vile & The Violators

Der Indie-Songwriter verzweifelt am Sound

Am Ende winkt Kurt Vile genervt ab und verschwindet. Seine dreiköpfige Band The Violators spielt noch kurz weiter und verlässt dann ebenfalls vorzeitig die Bühne des Zooms in Frankfurt. Was war passiert? Nachdem der Auftritt der Support Band True Widow zunächst in einem undefinierbaren Lärmteppich versunken war, begann der Auftritt des introvertierten Songwriters aus Philadelphia stumm. Ein Mikrokabel war defekt und damit stand der Abend bereist zum Start unter keinem guten Stern. Vile schien da bereits bedient und war nicht gewillt die mehrminütige Verzögerung wegzumoderieren. Missmutig stimmte stattdesse nochmal seine Gitarre. Mit dem Opener "Wakin On A Pretty Day" von der fast gleichnamigen neuen LP WAKIN ON A PRETTY DAZE schienen dann die Probleme zunächst im Griff.

 

Keiner verkörpert momentan das Bild des schlurfigen LoFi-Slackers so beeindruckend wie Kurt Vile. Von seinem Vorbild und Förder J Mascis mal abgesehen. Gemächlich dreht er sich in seinen ausufernden Songs in zelebrierter Lethargie um sich selbst. Dazwischen verliert er kaum ein Wort. Sein Set bestreitet der 33-jährige fast ausschließlich aus dem Material seines aktuellen Albums und dessen Vorgänger SMOKE RING FOR MY HALO, dabei hat er inzwischen einen üppigen Backkatalog mit drei weiteren LPs und zahlreiche EPs und Singles. 

Auf "Girl Called Alex" und "On Tour" folgt mit "Jesus Fever" einer von Viles heimlichen Hits aus jüngerer Vergangenheit. Leider sind es auch während des Sets immer wieder Tonprobleme, mit denen Vile zu kämpfen hat. Der sogähnliche Flow seiner Studioproduktionen will sich live nicht so recht einstellen, weil sich viele der feinen Nuancen in der unruhigen Atmosphäre verlieren. Zu oft werden Effektgeräte nachjustiert, mit den Soundmännern gestikuliert und nach "Goldtone" verlässt Vile bereits zum ersten Mal zwischenzeitlich die Bühne. 


Die anschließend solo auf der Akustikgitarre vorgetragenen Stücke "Tomboy" und "Feel The Pain", von der kürzlich erschienen EP IT'S A BIG WORLD (AND I'M SCARED), geraten dann aber zum Höhepunkt des Abends. Und viel mehr soll dann auch leider nicht mehr kommen. Highlights früherer Platten wie "Freak Train" stehen zwar noch auf der Setlist, doch Vile lässt sich nach seinem erneuten Verschwinden vom emsig bastelnden Tontechniker nicht mehr aus dem Backstagebereich locken. "The Sound was really shit", raunt noch ein enttäuschter Zuhörer im hinausgehen wütend in Richtung der Jungs am Mischpult. Das war's.      


Text und Fotos von Christian Düringer