Batschkapp/Frankfurt (20. Februar 2017)

Pete Dohertys Auftritt versinkt im Chaos

In der Vergangenheit war Pete Doherty trotz derangierten Zustandes und massiven Verspätungen oft genug in der Lage gewesen, furiose Konzerte zu spielen. In Frankfurt gelingt das nicht. Ein Montagabend, 45 € Eintritt, eine schlecht eingespielte Band und eine müde Setlist sind schlechte Argumente, um stundenlanges Warten zu entschuldigen. Bierbecher fliegen und die Fans verlassen scharenweise die Halle. Ein Erklärungsversuch. 

Pete Doherty sorgt am Montagabend in Frankfurt für Ärger bei seinen Fans (Foto: Christian Düringer)
Pete Doherty sorgt am Montagabend in Frankfurt für Ärger bei seinen Fans (Foto: Christian Düringer)

Am Ende waren nur die Hartgesottenen geblieben. Die, die ihrem Idol regelmäßig alle Unzulänglichkeiten verzeihen und die es sich erlauben können, sich auch an einem Montagabend stundenlanges Warten bis kurz vor Mitternacht schön zu trinken.

 

Eigentlich beginnt alles planmäßig. Der irische Sänger Sion Hill startet pünktlich das Vorprogramm und anschließend will Dohertys Begleitband Puta Madres auf das Erscheinen ihres Meisters einstimmen. Nach schludrig vorgetragenen Coverversionen der Libertines und The Cure und einer improvisierten Spoken Word Performance des überfordert wirkenden Gitarristen Jack Jones wird jedoch schnell klar, dass vor allem Zeit geschunden werden soll.

Doherty zunächst nur übers Handy anwesend

Die ersten Bierbecher fliegen und sie werden von wüsten Pöbeleien aus dem Publikum begleitet. Zur Besänftigung ruft der tapfere Jones kurzerhand von der Bühne aus Doherty an. Übers Mikro ist jedoch kaum ein Wort zu verstehen. Klar wird nur, Doherty ist noch nicht da. Aber immerhin scheint er irgendwie unterwegs zu sein. Ein Absage droht also nicht.  

 

Eine endlose Wartezeit beginnt. Die ersten Besucher verlassen gegen 23 Uhr genervt die ohnehin schon nicht ganz ausverkaufte Batschkapp. Frustrierte Pfiffe wechseln sich mit weiteren Bierbecherwürfen und optimistischen "Peter, Peter" rufen. Gegen halb zwölf tut sich dann endlich was. Die Band versammelt sich am Bühnenrand, dann torkelt Pete Doherty ins Scheinwerferlicht. 

Die überforderte Band kann ihren Frontmann nicht stützen

Mit "Fuck Forever" feuert man direkt einen Crowd Pleaser ab, der bei Konzerten mit den Babyshambles sonst eigentlich immer das furiose Finale einleitet. Ein Moshpit bildet sich, Petes Mikroständer wirbelt ins Publikum, alles scheint sich zum Guten zu wenden. Mit "Albion" folgt eine weiterer Babyshambles-Hit, dann ist abrupt die Luft raus.

In der Vergangenheit war Doherty trotz derangiertem Zustand und massiven Verspätungen schon oft genug in der Lage gewesen, furiose Konzerte zu spielen. Das gelingt heute nicht. Das liegt auch an seiner überforderten Band und der müden Setlist. 

Trotz der Anwesenheit von Babyshambles-Bassist Drew McConnell wirken die anderen Musiker nicht eingespielt und eher wie Fans, die sich freuen, dass sie mal mit einem Pete Doherty die Bühne teilen dürfen. Alle sind Anfang zwanzig und nie in der Lage der Fahrigkeit ihres Frontmanns Kontur zu verleihen, wie es bei den Babyshambles oder den Libertines so wunderbar gelingt.

Fans verlassen entnervt die Halle

Hinzu kommt, dass sich die überwiegend langsamen und auf Platte akustisch arrangierten Songs der Solo-LPs denkbar schlecht zum Party machen eignen und zumindest von dieser Band in diesem Rahmen nicht transformiert werden können. Wer bereits YouTube-Schnipsel des Clouds Hill-Festivals im Dezember gesehen hatte, konnte ahnen, worauf es hinauslaufen würde. Eine so skizzenhaft-zerschossene Performance mag in einer bierseeligen, intimen Wohnzimmeratmosphäre wie in den Hamburger Clouds Hill-Studioräumlichkeiten kongenial funktionieren, in einer funktionalen Halle wie der (neuen) Batschkapp aber kaum die gleiche Wirkung erzielen.

 

So kommt es, wie es kommen muss. Weitere Besucher wenden sich Richtung Ausgang und der Hagel an Bierbechern ebbt kaum ab. Manche verfehlen Pete nur knapp. Der kickt sie gereizt zurück und provoziert das Publikum, das er plötzlich angeblich in Stuttgart verortet, obwohl er wenige Minuten zuvor noch genau wusste, wo er sich befand.

Nur die Klassiker können überzeugen

Letztlich überzeugen vor allem die unkaputtbaren Klassiker, während "Last Of The English Roses" und "Oily Boker" im chaotischen Sound der Band versanden. "Killamangiro" und das tolle Velvet Underground-Cover "Ride Into The Sun" bekommt aber gegen kurz vor eins nur noch ein versprengter Haufen Fans mit, der auch locker in einen der kleinen Frankfurter Clubs in der Innenstadt gepasst hätte. Pete Doherty bleibt Pete Doherty. Auch mit inzwischen 37 Jahren. Oft genug war das auch schon genau richtig und man bekam ein fulminantes Kontrastprogramm zu sonst so professionell-sterilen Konzertdarbietungen dieser Tage geboten.

 

Doch heute stellen sich viele Fragen: Tanzt Doherty derzeit einfach auf zu vielen Hochzeiten? Muss er wirklich binnen drei Jahre mit drei unterschiedlichen Bands auf Tour gehen? Hätte er nicht das ein oder andere Stück der durchaus gelungenen Soloplatten während einer kommenden Tour mit den Babyshambles einbauen können? Hätte eine erfahrene Band den Auftritt heute retten können? Wäre eine kleinere Location mit geringerem Eintrittspreis nicht die sinnvollere Wahl gewesen? An einem Wochenende? Mit einer anderen Setlist?

 

Viele offene Frage, die vielleicht beim nächsten Mal beantwortet werden. Falls das Frankfurter Publikum nicht nachtragend ist und dann noch mal kommt. 

 

 

Text und Bildmaterial von Christian Düringer