Fotos: Christian Düringer
Fotos: Christian Düringer

Hafen 2/Offenbach (26.März 2011)

The See See

Der Geheimtipp ist noch zu geheim um punkten zu können

Einen halbleeren Club haben The See See wahrlich nicht verdient. Schließlich hat die Londoner Band, bestehend aus je einem Engländer, Neuseeländer, Schweden und Amerikaner, mit LATE MORINING LIGHT gerade erst das bemerkenswerteste britische Debüt des Jahres veröffentlicht. Ihr klassischer, psychedelisch angehauchter Sixties-Rock scheint sich hierzulande noch verstärkt in einschlägigen Musikmagazinen und eingeweihten Internetforen großer Beliebtheit zu erfreuen. Bis nach Offenbach hat sich ihr Talent jedenfalls noch nicht herumgesprochen. 

An einem Samstagabend bei einem Eintritt von nur 9 € den winzigen Hafen 2 nicht zu füllen, ist bitter und leider auch prägend für den Verlauf des Konzerts. Die Jungs scheinen zu Beginn angesichts der mickrigen Besucherzahl nicht übermäßig motiviert, im Gegenzug strahlen die wenigen Gäste die Intensität eines schlappen Händedrucks aus. Halbherzige Versuche, die versprengten Zuhörer etwas näher vor die Bühne zu locken, gelingen nur mühsam und die bemühten Interaktionsversuche von Sänger und Gitarrist Richard Olson mit dem Publikum versanden fast völlig. Das führt fast unweigerlich zu peinlich-berührenden Momenten in den Pausen zwischen den Stücken. Ein Grund, warum der Funke zunächst nicht richtig überspringen will, lieferte der DJ, der im Vorfeld des Konzertes anstelle eines Support-Acts mit einem heftigen Industrial-Set dafür gesorgt hatte, dass der Bühnenraum fast komplett leer blieb und sich fast alle Besucher bis zum Beginn in der angeschlossenen Kneipe aufgehalten hatten. Das Set beginnt dadurch recht unvermittelt, jegliche Einstimmung fehlt.

Wenn The See See dann spielen, sind sie in ihrem Element und über jeden Zweifel erhaben. Die Stücke von LATE MORNING LIGHT geraten zu druckvolleren und lärmigeren Pendants der Studioversionen. Die großartigen "And I Wonder oder "Mary Soul" bekommen so einen ganz neuen Drive und fünf eingestreute neue Songs lassen Vorfreude auf kommende Veröffentlichungen aufkeimen. Gegen Ende des regulären Sets tauen dann sowohl Band als auch Publikum immer weiter auf. Für die Zuagaben werden Wünsche entgegen genommen. "Up The Hill" erweist sich als gute Wahl. The See See stehen noch am Anfang ihrer Karriere. Machen sie auf diesem Niveau weiter, wird man noch einiges von ihnen hören. Und dann füllen sich auch die Hallen - hoffentlich.