Mousonturm/Frankfurt (4. Dezember 2006)

Two Gallants

Foto: Christian Düringer
Foto: Christian Düringer

Die Nachfrage scheint groß gewesen zu sein. Das Konzert der Two Gallants wurde kurzfristig vom kleinen Cooky's in den Mousonturm verlegt. Und der ist bereits gut gefüllt, als noch Eric Bachmann durch das Vorprogramm führt. Der Songwriter aus North Carolina, gesanglich mit Harmonievocals unterstützt durch seine Band, bestehend aus einer Violistin und einer Pianistin, überzeugt mit einem melancholischen, folkloristischen Akustikset und klassischem Gitarrenpicking. 

Im Kontrast zu dieser facettenreichen, feinfühligen Performance wirkt der Auftakt der Two Gallants geradezu brachial. Spätestens als das noch eher betuliche, bisher unveröffentlichte Eröffnungsstück "Shine On Me", ohne Pause in "Steady Rollin" mündet, erzittert der Mousonturm unter dem Dröhnen von Tyson Vogel, der seine Drums malträtiert, als gäbe es keinen Morgen. Die zweite Single Auskopplung ist der erste Höhepunkt der Show und gleichzeitig einer der rar gesäten Songs aus dem Erfolgsalbum WHAT TOLL TELLS, den das Frankfurter Publikum an diesem Abend zu hören bekommt. Sänger und Gitarrist Adam Stevens zuckt wie elektrisiert und ist bemüht sich gegen Vogels Drums Gehör zu verschaffen. 

"Two Days Short Tomorrow" von ihrem Debüt THE THROES und das bisher nur auf einer frei downloadbaren Internet EP veröffentlichte "Trembling of the Rose" scheinen die wenigsten zu kennen. Beide Songs werden aber mit wohlwollendem Applaus abgenickt. Den limitierten musikalischen Variationsmöglichkeiten, die eine Gitarre/Drums-Konstellation à la White Stripes nun mal mit sich bringt, begegnen die beiden Kindergarten Kumpels aus San Francisco mit einer geschickten Songauswahl, die durch pointierte Tempiwechsel Dynamik in den Auftritt bringt. Musikalisch brechen die beiden häufiger aus dem von schaurig melancholischen Outlaw-Country-, Blues- und Folkversatzstücken geprägten Sound ihrer LPs heraus in rumpelige Punkgefilde. Hin und wieder greift Stevens zur Mundharmonika und stimmt sanftere Töne an. Vogel beschränkt sich in solchen Momenten in erster Line darauf, seinen Sänger durch harmonische Backingvocals zu unterstützen. 

Am besten sind die Two Gallants, wenn sie die lauten, brutalen und leisen, sanften Arrangementparts im direkten Wechsel in einem Song zusammentreffen lassen. Und so wird auch der erste kleine Hit der Band "Las Cruces Jail" kurz vor Schluss die Krönung des Abends und wenn sich Stevens anschließend mit wirrer, verschwitzter Mähne vor den Verstärker fallen lässt, um den Mousonturm unter den Rückkopplungen vibrieren zu lassen, erinnert das auch optisch ein klein wenig an Kurt Cobain. Das der Funken zwischen Bühne und Auditorium nicht öfter in diesem Maße überspringen will, mag auch an den vielen neuen Songs liegen, die nur der kleinen weiblichen, mit Handykameras bewaffneten U-20 Fraktion bekannt zu sein scheinen, die sich heute vermutlich nicht zum ersten mal vor Stevens in der ersten Reihe aufgebaut haben. 

Als Zugabe gibt es noch eine kleine Akustiksession, die von der umwerfenden, achtminütigen Westernballade "Crow Jane" abgeschlossen wird. Ein recht kurzes Konzert geht zu Ende, in dem man wenige Bekanntes, dafür aber Einblicke ins kommende Studioalbum der Jungs gehört hat. Das gibt Anlass zu einem optimistischen Blick in die Zukunft.

Setlist
1. Shine on Me
2. Directly into Steady Rollin'
3. Two Days Short Tomorrow
4. Japan Town Bowl 
5. Long Summer Day
6. Trembling of the Rose
7. Reflection of the Marionette... 
8. Linger On 
9. Las Cruces Jail
10. Intro and Nothing to You.

Acoustic guitar encores:
11. In from the Rain
12. Crow Jane