Foto: Christian Düringer
Foto: Christian Düringer

Moods/Zürich (19. November 2013)

Valerie June & The Ben Miller Band

Geballte Südstaaten-Melange

Ben Miller Band (Foto: Christian Düringer)
Scott Leeper, Ben Miller und Doug Dicharry nach der Tour mit ZZ Top zurück in Europa live im Züricher Moods (Foto: Christian Düringer)

Für die Ben Miller Band ist 2013 ein ereignisreiches Jahr. Nachdem Billy Gibbons die drei Jungs aus Joplin/Missouri höchstpersönlich unter seine Fittiche nahm und sie für die US- und Europa-Tour ins Vorprogramm von ZZ Top steckte, folgte nun der Plattenvertrag mit New West Records. Als Label-Kollegen von Kris Kristofferson, Steve Earl und Jason Isbell werden sie in den nächsten Monaten in Nashville ihren Nachfolger zum noch selbst produzierten Album HEAVY LOAD aufnehmen. An den Reglern wird mit Vance Powell jemand sitzen, der bereits mit Jack White, den White Stripes, Wanda Jackson, Willie Nelson und Kings of Leon zusammen gearbeitet hat. Eine echte Hausnummer also. Davor begleiten sie jedoch noch aktuell ihre Freundin Valerie June durch Europa.

 

Das größte Pfund der Band ist live ihre unglaubliche Virtuosität und Vielseitigkeit. Beginnend mit dem gloreichen Bonanza-Theme, zu dem die Band obligatorisch die Bühne entert, ist die Dramaturgie des knapp bemessenen Sets perfekt abgestimmt, um das brechend volle Moods in Zürich von Beginn an für sich einzunehmen. Miller ist in den zehn Jahren seiner Karriere zu einem exzellenten Songwriter gereift und seine beiden Gefährten sorgen für einen unverwechselbaren Sound. Scott Leeper spielt einen One-String Washtub Bass, der nur durch das biegen des Halses zu kontrollieren ist, und Multiinstrumentalist Doug Dicharry bedient neben den Drums noch Posaune, Trompete und eklektrisch verstärkte Waschbretter und Esslöffel, die er am liebsten mit viel Rückkopplung durch einen Verzerrer jagd. Szenenapplaus ist ihm jedes Mal garantiert. 

 

"Ozark Stomp" nennen sie selbst diese wilde Melange aus Blues, Country, Jazz, Punk und Bluesgrass nach ihrer Heimat in de Ozark Mountains. Ihre extraordinäre Performace auf der Bühne wird aber nie zum Selbstzweck: "We're not some kind of gimmick band," sagt Ben Miller. "Just because we use junk to make music doesn't mean we aren't serious about it. We are legitimately making real music, and when you hear us play I think you get that." Neues Material ist an diesem Abend noch nicht zu hören, das soll erst im kommenden Jahr vorgestellt werden, aber der Backkatalog bietet bereits jetzt genug. Das das räudige "Get Right Church" von HEAVY LOAD etwa, das Miller zur Slide Guitar durch einen ans Amp angeschlossenen Telefonhörer bellt oder das schön fiese "Fat Bottomed Woman" vom Debüt 1 & 2 TON.

Valerie June startet anschließend entnervt mit Soundproblemen. Nach den ersten zwei Songs wirft sie wütend ihre Monitorkopfhörer in die Ecke, so dass man sofort Mitleid mit dem Tontechniker bekommt, der vergeblich versucht die Situation in den Griff zu bekommen. June spielt aber lieber ohne weiter, was dann offensichtlich bestens funktioniert und ihre Laune glücklicherweise schnell wieder steigen lässt. Nach zwei weiteren Nummern von ihrer neuen LP PUSHIN' AGAINST A STONE ist sie im Set angekommen. In bester Storytellermanier streut sie nun immer wieder lachend weitläufige Anekdoten ein und scherzt mit amerikanischen Fans im Publikum. "Working Woman Blues" leitet sie mit einer Erzählung aus ihrer Kindheit ein, in der sie schon als kleines Mädchen für ihren Vater am Bau Steine bei Renovierungsarbeiten säubern musste. Danach liebkost sie ihre Gitarre und erzählt, wie sie sie in einem Laden in New York unter zig Modellen gleicher Bauart gefunden hat.

 

Zu hören ist neben aktuellen Stücken auch eine Menge älteres Material, was sie bereits seit 2006 auf drei in Eigenregie veröffentlichten Alben zusammengetragen hat. Darunter das fantastische "The Drifter", dem Opener ihres 2008 erschienen Albums MOUNTAIN OF ROSE QUARTZ, der nur mit Banjo und Valeries Stimme auskommt. Die 31-jährige aus Tennessee mit der beeindruckenden Dreadmähne vereint mit Gospel, Blues und Country spielerisch jeweils typisch weiße und schwarze Musikgenres, als wäre es das selbstverständlichste auf der Welt. Gegen Ende stößt Doug Dicharry von der Ben Miller Band zu Junes zweiköpfiger Band und steuert zum Finale ein paar Washboard-Einlagen zum mitreißenden "Rain Dance" bei, einem Song, den June für ein Tribute Album für den 2011 verstorbenen Blues-Gitarristen John Alex Mason schrieb. Man darf gespannt sein, wie die Karrieren von Miller und June weitergehen. Der Start ins Profilager könnte jedenfalls für beide kaum besser laufen.