(Fotomontage aus Fotos von Christian Düringer und Alejandro Páez, Creative-Commons)
(Fotomontage aus Fotos von Christian Düringer und Alejandro Páez, Creative-Commons)

Lemmy Kilmister hinterlässt im Rainbow eine traurige Lücke an der Bar  

"I saw the glory Days of this Place."

Lemmy Kilmister gehörte zum festen Inventar des Rainbow Bar & Grill in West Hollywood. Mit dem Tod des Motörhead-Chefs verliert nicht nur die Musikwelt eine Legende, auch der sagenumwobene Club am Sunset Strip muss Abschied von seinem letzten großen Aushängeschild nehmen und droht nun endgültig zu einem Rock-Museum zu werden. Ich war vor Ort...

 

Das Rainbow Bar & Grill und Lemmy Kilmister pflegten eine innige Beziehung. Als der Motörhead-Boss 1990 seinen Wohnsitz nach Los Angeles verlegte, orientierte er sich bei der Wahl seines Appartements an der Lage des legendären Clubs: "That was the onyl place In knew in L.A., ya know." Nachdem er am 28. Dezember 2015 starb, fand hier knapp zwei Wochen später die Trauerfeier in Form einer großen Party statt. Um den ganzen Block standen Fans Schlange, um dabei zu sein. In all den Jahren verbrachte Lemmy  im Rainbow vermutlich kaum weniger Zeit als Zuhause.

 

 

Wann immer er nicht gerade mit seiner Band auf Tour war, gehörte er im Rainbow zum festen Inventar. Hier plauderte er geduldig mit seinen Fans bei einer Zigarette, saß einfach auf einen Drink an der Bar oder verbrachte Stunden an den Spielautomaten. Die liebte er so sehr, dass kurz vor seinem Tod Besitzer Mikael Maglieri Lemmys Lieblings-Automaten sogar zu ihm nach Hause brachte, damit der Sänger seine letzten Stunden daran verbringen konnte.

Von Marilyn Monroe bis Guns N'Roses: Über Jahrzehnte entwickelte sich das Rainbow zum Hangout für Stars

 

Anders als viele Rockfans, die heute wegen der glorreichen Geschichte des Rainbows aus aller Welt her pilgern, war Lemmy schon viel früher Teil davon. Bereits 1973 war er zum ersten Mal hier und hat selbst miterlebt, wie alle möglichen Größen des Business im Rainbow ein und aus gingen. "I saw the glory days of this place. It was nuts", erinnert sich Lemmy in einem Interview an diese wilde Zeit, als hier etwa Keith Moon und die anderen von Led Zeppelin regelmäßig feierten.

 

Die Geschichte des Hauses als angesagte Promi-Adresse in West Hollywood reicht aber noch weiter zurück. Schon in den 50er und 60er Jahren gaben sich hier Hollywood-Stars die Klinke in die Hand. 1952 hatten etwa Marilyn Monroe und ihr späterer Ehemann, Baseball-Ikone Joe DiMaggio, ihr erstes Date im damals noch hier ansässigen Restaurant Villa Nova. Nach der Eröffnung des Rainbow 1972 und dem direkt angrenzen Club Roxy ein Jahr später, entwickelte sich die Location inmitten der Hollywood-Club-Szene am Sunset Strip dann schnell zum angesagten Hangout für Rockstars und deren Groupies.

 

Zu der illusteren Reihe namhafter Gäste zählten damals neben Led Zeppelin John Lennon, Elton John und Elvis Presley. Die Doors begannen ihre Karriere nur ein paar Häuser weiter im Whisky A Go Go. Anthony Kiedis von den Red Hot Chili Peppers schildert in seinen Autobiografie, wie er bereits als Kind von seinem Vater häufig mit ins Rainbow geschleppt wurde und er so sehr früh mit bekannten Musikern abhing.

 

In den Achtzigern wurde das Rainbow dann zum Hot Spot der LA-Hardrock- und Metal-Szene. Gleich zwei Mal wurde der Club prominent in Videoclips von Guns N'Roses sowohl von innen als auch von außen in Szene gesetzt. "November Rain" und "Estranged" waren Anfang der 90er Jahre nicht nicht nur enorm populär und liefen auf MTV auf heavy rotation, sie gehören auch zu den teuerten Videos, die je gedreht wurden. Der gesamte Sunset Strip wurde seinerzeit im Bereich des Rainbow für die Dreharbeiten abgesperrt. Eine bessere Werbung hätte man sich nicht wünschen können. Neben Guns N'Roses frequentierte von Mötley Crüe über Poison bis hin zu W.A.S.P so ziemlich jede seinerzeit angesagte Band regelmäßig das Rainbow, das heute unverändert im Erdgeschoss ein Restaurant und im Obergeschoss eine Bar mit Dancefloor beherbergt, das "Over The Rainbow". 

 

Lemmy ist nun größer als alle Rainbow-Legenden, von denen er schwärmte

Das Rainbow: Jeder Tisch ist hier einem prominenten Rockstar gewidmet und für ihn dauerreserviert.  (© Christian Düringer)
Das Rainbow: Jeder Tisch ist hier einem prominenten Rockstar gewidmet und für ihn dauerreserviert. (© Christian Düringer)

Das Ambiente bekam danach durch Unmengen von Memorabilien an den Wänden einen fast musealen Charakter. Jeder Tisch trägt heute den Namen eines mehr oder weniger aktuellen Rockstars und ist für ihn dauerreserviert. An jeder Ecke in dem höhlenartigen Erdgeschoss hängen im rötlich gedimmten Licht Fotos und goldene Schallplatten der prominenten Kundschaft oder es ist gleich deren Equipment in Form signierter E-Gitarren, Becken und Drumsticks zu kleinen Altaren aufgetürmt. Lemmy störte das nicht. Im Gegenteil. Sicher mochte er auch die kellnernden Pamela Anderson-Doubles hier, die einem schon mal überaufmerksam im Vorbeigehen den Teller festhalten, wenn das Messer nicht so richtig durch die Pizza gleiten will, und einem dabei offenherzig ihr tiefes Dekolleté ins Gesicht halten. Aber vor allem schwärmte er bei jeder sich bietenden Gelegenheit von der Tradition, die dieser Ort verströmte. Und vom Andenken an die vielen verblichenen Ikonen seiner Zunft, für das diese Bar steht. Nun ist er selber eine von ihnen und sein Erbe wird hier nochmal eine Zentnerlast Tradition on top packen.

 

Eine Lemmy-Statue ist schon in Planung (Anm. d. Red.: sie wurde im August 2016 aufgestellt). Sie soll am Ende der Bar errichtet werden. Ein weiterer großer Schritt in Richtung Museum. Gut möglich, dass Lemmy das letzte große Kapitel dieses geschichtsträchtigen Clubs geschrieben hat. Die Ära der großer Rockstars ist vorbei. Wer sollte also nachrücken? Weit und breit ist niemand in Sicht, der in seine Fußstapfen treten könnte und die verbliebenen Legenden alter Tage lassen sich hier auch bestenfalls noch sporadisch blicken. Lemmy verkörperte noch ein Stück Gegenwart, inmitten all dieser mit Erinnerungen an die guten alten Zeiten aufgeladenen Atmosphäre. Er hinterlässt somit nicht nur in der Musikwelt eine riesengroße Lücke, auch an der Bar des Rainbows wird er nicht zu ersetzen sein. Schon gar nicht durch eine Statue.  

 

Text und Fotos von Christian Düringer


Lemmys Revier am Sunset Strip. Rund um sein Appartement reihen sich die Rock-Clubs hier wie Perlen an einer Kette. Das Rainbow war Lemmys zweites Zuhause.
Lemmys Revier am Sunset Strip. Rund um sein Appartement reihen sich die Rock-Clubs hier wie Perlen an einer Kette. Das Rainbow war Lemmys zweites Zuhause.
Innen erinnert das Rainbow heute an ein Rock- und Metal-Museum
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Der Viper Room wurde 1993 gegründet und gehörte bis 2004 Johnny Depp. Oliver Stone drehte hier "The Doors", River Phoenix brach unter dieser Markise nach einer Überdosis tot zusammen und Johnny Cash wurde hier von Rick Rubin wiederentdeckt.
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Das Whisky A Go Go wurde 1964 als erster Rockclub im Großraum L.A. eröffnet und prägte fortan die Szene hier in jeder Epoche: 1966 wurden die Doors Hausband, dann spielten hier von den Kinks über die Ramones bis zu Nirvana jeder angesagte Top-Act.
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Auch im Roxy Theatre direkt neben dem Rainbow spielte schon alles was Rang und Namen hatte und hat. Frank Zappa setzte dem dem Club mit seinem Album "Roxy & Elsewhere" ein Denkmal.
Auch im Roxy Theatre direkt neben dem Rainbow spielte schon alles was Rang und Namen hatte und hat. Frank Zappa setzte dem dem Club mit seinem Album "Roxy & Elsewhere" ein Denkmal.