Then & Now: Hitchcocks Filmlocations im Wandel der Zeit

On Location mit Hitchcock

Alfred Hitchcock liebte die Arbeit im Studio. Selbst als es bereits üblich war, "on location" zu drehen, wagte er sich nur selten in die reale Welt. Es gibt daher nur wenige Originalschauplätze aus seinen Filmen und selbst die drohen im Laufe der Zeit zu verschwinden. Einige haben wir in Kalifornien, an der Côte d’Azur und in Schottland ausfindig gemacht und für Euch aufgesucht. Hier stellen wir Locations aus den Filmen TO CATCH A THIEF, THE 39 STEPS, VERTIGO, SHADOW OF A DOUBT und THE BIRDS vor.


The Birds (1963)

Für die Drehgenehmigung stellte Restaurantbesitzer in Bodega Bay Hitchcock drei Bedingungen

Im Bodega Country Store ist Betreiber Mike eher stolz als geschäftstüchtig. Anstatt mir etwas von der frisch zubereiteten Clam Chowder oder dem an der Wand gebündelten Feuerholz andrehen zu wollen, beobachtet er erfreut, wie ich seine beeindruckende Sammlung an Hitchcock- und THE BIRDS-Memorabilien bestaune, die er überall in dem kleinen Laden angehäuft hat: "Do ya like it?", erkundigt er sich freundlich. Er weiß natürlich genau, dass ich ohnehin nur deswegen hinein gekommen bin. So wie eben alle Touristen, die sich die 15 Autominuten landeinwärts vom kalifornischen Highway 1 hier her verirren.

 

Was darf's sein? Hitchcock-Maske oder Tippi Hedren-Barbie mit Vögeln im Haar?

 

"Anything else ya would like to find here?", will er wissen. Ich winke lachend ab, denn mir will spontan beim besten Willen nichts einfallen, denn neben billigen Souvenir-Nippes wie bedruckten Shirts, Tassen und Kühlschrankmagneten hortet Mike bereits alle erdenklichen Schätze und Kuriositäten zum Thema, die man sich nur vorstellen kann.

 

Unzählige zeitgenössische Magazine, Bücher und Fotografien zieren die Wände und unter von der Decke baumelnden antiquierten Vogelkäfigen mit drapierten Plastikraben stehen Vitrinen mit seltenen Sammlerstücken. Eine naturgetreue Hitchcock-Maske (für 200 $) findet sich hier neben diversen Ölgemälden mit Konterfeit des Regisseurs (bis zu 390 $) und einer noch originalverpackten Tippi Hedren-Barbie aus den Sechzigern, die für schlappe 95 $ zu haben ist. Natürlich stilecht mit Vögeln im Haar. Die Grenze zwischen Imbiss, kitschiger Touristenfalle, urigem Tante Emma Laden und Museum sind hier fließend.  

 

Für die Dreharbeiten zu THE BIRDS (Die Vögel) war Hitchcock 1963 zurück hier her ins Sonoma County gekommen, wo er viele Jahre zuvor bereits in Santa Rosa SHADOW OF A DOUBT (Im Schatten des Zweifels) gedreht hatte. Als Schauplatz der Handlung um Vögel, die ohne ersichtlichen Grund eine Kleinstadt terrorisieren, wählte er dieses Mal mit Bodega Bay einen kleinen Ort an der Pazifikküste, ca. 100 Meilen nordwestlich von San Francisco.

 

Besucht man die Schauplätze von einst, hat man vermutlich bereits bei der Planung festgestellt, dass das Bodega Bay der Kinoleinwand so gar nicht existiert. Hitchcock suggeriert seinem Publikum lediglich, dass alle Ortsteile wie Pier, Gemischtwarenladen und Schule zu einer einzigen zusammenhängenden Kleinstadt gehören.

 

Das Potter Schoolhouse ist heute Highlight für Hitchock-Fans

 

Tatsächlich schuf der Film jedoch ein fiktives Bodega Bay, das sich aus mehreren unterschiedlichen Schauplätzen zusammensetzte. Und so lande ich bei meiner Suche nach dem berühmten Schulhaus schließlich an der Bodega Lane im 220-Einwohner-Nest Bodega aber eben nicht direkt in Bodega Bay an der Küste.

 

Das markante Potter Schoolhouse (im Film Bodega Bay School) ist heute der wohl bekannteste noch erhaltene real existierende Schauplatz aller Hitchcock-Filme. Das 1873 erbaute Gebäude hat lediglich einen neuen Anstrich erhalten und  lockt auch über 50 Jahre nach der Kinopremiere von THE BIRDS noch täglich Touristen an. Auch die angrenzende St. Teresa's Church taucht im Film auf und ist unverändert erhalten, während das Haus von Lehrerin Annie Hayworth (Suzanne Pleshette) neben der Schule seinerzeit nur Kulisse war und nach Ende der Dreharbeiten abgebaut wurde. 

Einst befand sich ein Souvenirladen direkt im Schulhaus, der bei dessen Verkauf an eine Privatperson schließen musste. Damit schlug die Stunde von Mikes Bodega Country Store, der die vakante Position einnahm und seinen Laden in einen Treffpunkt für Hitchcock-Touristen verwandelte. 

 

Tippi Hedren kommt zum Jubiläum ins Tides Wharf Restaurant 

 

2013 schaute sogar Tippi Hedren persönlich bei Mike vorbei. Zum 50. Jubiläum von THE BIRDS besuchte die damals 83-jährige Darstellerin von Hauptfigur Melanie Daniels für ein Wochenende die alten Schauplätze der Region, traf Fans, gab reichlich Autogramme und berichtete einmal mehr von den strapaziösen Dreharbeiten und ihrem angespannten Verhältnis zum Meisterregisseur. Ein großes Meet & Greet fand dabei im Tides-Wharf Restaurant statt. Der Tides-Komplex liegt - zumindest beinahe - im echten Bodega Bay, etwa 700 Meter vor Ortsbeginn am Highway 1. 

 

Im Film bietet das das Tides den Bewohnern Bodega Bays als zentrale Anlaufstelle Schutz vor den angreifenden Vögeln. Als Hitchcock 1962 Besitzer Mitch Zankich um eine Drehgenehmigung bat, stellte dieser zunächst drei Bedingungen: Der Ort sollte auch im Film Bodega Bay heißen, die männliche Hauptrolle sollte seinen Vornamen tragen und er wollte eine kleine Gastrolle spielen. Hitchcock ließ sich darauf ein. Schauspieler Rod Taylor hieß im Film tatsächlich Mitch Brenner und Zankich selbst durfte immerhin einen Satz aufsagen: "What happened, Mitch?"

 

Moderne Tricktechnik ließ ein fiktives Bodega Bay entstehen 

 

Durch das damals moderne Verfahren des Matte Paintings und durch Rückprojektionen wurde trotz der zum Teil weit voneinander entfernt liegenden Drehorte während des gesamten Films ein konsistentes Ortsbild geschaffen. Real gedrehte Szenen – insbesondere Hintergrundaufnahmen – wurden nachträglich bearbeitet, teilweise durch gemalte Landschaftsbilder ersetzt oder mit anderen Szenen kombiniert. 

 

Wenn Melanie Daniels die Bucht mit dem gemieteten Boot überquert, sieht der Zuschauer am Hügel oberhalb des Piers auch das Potter Schoolhouse und die Kirche zusammen mit einigen anderen Gebäuden. Post, Laden, Fischmarktgebäude sowie Tankstelle sind lediglich im Studio nachgebaute Kulissen. Die seinerzeit noch unbebaute Szenerie um das Tides wurde mit zusätzlichen Gebäuden ausstaffiert.

 

Noch deutlicher wird die Illusion, als Melanie zusammen mit Cathy Brenner (Veronica Cartwright) und einem anderen Kind nach der Flucht aus dem Schulgebäude in einem parkenden Auto am Straßenrand Zuflucht sucht: Der Blick durch die Heckscheibe zeigt die Schule in Bodega, während in der anderen Richtung das Ende der Taylor Street in Bodega Bay und die dahinter liegende Bucht zu erkennen sind. Die Szenen in der Taylor Street sind die einzigen, die wirklich direkt in Bodega Bay gedreht wurden.

 



Shadow of a Doubt (1943)

Von der amerikanischen Kleinstadtidylle ist in Santa Rosa nicht viel übrig geblieben

Im Vergleich zu Bodega Bay ist man in Santa Rosa offensichtlich keine Hitchcock-Touristen gewohnt. Die beiden älteren Damen in der Touristen-Information müssen sich erst beraten, bevor sie mir den Weg zum Haus der Newton-Family aus SHADOW OF A DOUBT zweifelsfrei auf einer Karte einzeichnen können. Nach dem zweiten Drehort auf meiner Liste muss ich allerdings gar nicht erst fragen, denn ich stehe bereits mittendrin: Im alten Bahnhof von Santa Rosa. Seit seiner Stilllegung vor vielen Jahren beherbergt er die Touristen-Information. 

 

Im Film taucht der Bahnhof gleich zwei Mal prominent auf. Bei der von Charlotte Newton (Teresa Wright) ersehnten Ankunft ihres Onkel Charlies (Joseph Cotten) legt der schwarze Rauch der Dampflok bereits einen unheilvollen Schatten über die Szenerie und bei dessen Abfahrt nimmt hier die Tragödie ihren Lauf. 

 

Optisch scheint sich auf den ersten Blick seit den Dreharbeiten 1943 kaum etwas verändert zu haben. Das Gebäude wurde in seinem ursprünglichen Zustand als Bahnhof erhalten. Die Schilder zeigen noch die alten Routen an, die Gleise liegen noch in ihrem Bett und auch ein paar alte Wagons stehen hier.

 

Hitchcock war gezwungen "on location" zu drehen

 

Auch im Stadtzentrum Santa Rosas wurden viele Szenen gedreht. Als während des Zweiten Weltkriegs ein staatliches Kriegskomitee die Mittel für den Bau von Filmsets knapp bemessen regulierte, war Hitchcock gezwungen, sich für SHADOW OF A DOUBT in die Realität zu wagen, um Kosten einzusparen. Der Film enthält für die damalige Zeit entsprechend ungewöhnlich viele reale Drehorte. 

 

Dank seines Faibles für gutes Essen und guten Wein, kannte Hitchcock das nördlich von San Francisco gelegene Napa Valley bereits recht gut, obwohl er erst zwei Jahre zuvor von England nach Hollywood gezogen war. Das seinerzeit noch verschlafene und altmodische Städtchen Santa Rosa entsprach perfekt seiner Vorstellung der typisch amerikanischen Kleinstadtidylle, die ihm für SHADOW OF A DOUBT vorschwebte. 

 

Santa Rosa bot den idealen Kontrast des unschuldigen, sauberen Amerikas zum zwielichtigen New Jersey Großstadt Milieus aus der Eröffnungssequenz des Films.

Auch Wes Craven und die Coen-Brüder drehten hier 

 

Inzwischen hat sich die damalige Einwohnerzahl von überschaubaren 15.000 mehr als verzehnfacht. Das Standbild im Zentrum ist kaum wiederzuerkennen, sofern man sich an den Eindrücken aus dem Film orientiert. Alte Drehorte sucht man an ihren ehemaligen Adressen vergeblich: Die Bibliothek, die Bar und selbst die Kirche sind verschwunden. Mir bleibt nur der Weg in den Historic District, wo der alte Charme der Stadt bewahrt werden konnte. 

 

An der McDonald Avenue, Ecke 14th Street finde ich schließlich das Haus der Newton-Family unangetastet vor. Wie die gesamte Nachbarschaft ist auch die Nummer 904 in viktorianischem Stil gehalten und erstrahlt in noblem weiß hinter viel Grün. Auch in der jüngeren Filmgeschichte erkannten Regisseure die Vorzüge des Viertels. Wes Craven drehte hier Teile seines späten Horrorklassikers SCREAM (1996) und die Coen-Brüder kamen 2001 für ihre Film Noir-Hommage THE MAN WHO WASN'T THERE.

 

"Wir waren gezwungen alles wieder dreckig anzustreichen"

 

Fast wären die Dreharbeiten in der McDonald Avenue damals am überambitionierten Hausbesitzer gescheitert: "Wir strebten einen besonderen Realismus an, vor allem was die Stadt und das Dekor betraf", erinnerte sich Hitchcock einst im Interview François Truffaut"Wir hatten ein Haus ausgewählt, hatten aber Bedenken, ob es nicht zu groß für einen kleinen Bankangestellten wäre. Es stellte sich aber heraus, dass der Besitzer in der selben finanziellen Situation war wie die Figur in unserem Film. Als wir zu den Dreharbeiten wieder in die Stadt kamen, hatte der Mann, weil er so froh darüber war, dass sein Haus in einem Film vorkommen sollte, es frisch gestrichen. Wir waren gezwungen, alles wieder 'dreckig' anzustreichen. Natürlich haben wir ihm das Haus anschließend wieder frisch gestrichen."



Vertigo (1958)

Nach 55 Jahren fiel auch Scotties Appartement der Modernisierung zum Opfer

Aufgrund vieler langer Autofahrsequenzen und der Inszenierung von San Francisco als zentralem Schauplatz des Films, wurden auch in VERTIGO 1958 zahlreiche Außenaufnahmen 'on location' gedreht. Viele Gebäude sind jedoch längst verschwunden und die meisten Straßenzüge sind kaum wiederzuerkennen.

 

Über fünf Dekaden war deshalb das Appartement von John 'Scottie' Ferguson, im Film verkörpert von James Stewart, das Objekt der Begierte für alle Hitchcock-Liebhaber in San Francisco. Nahezu unverändert konnten sie das Haus 900 Lombard Street, Ecke Jones in zentraler Lage vorfinden und ein Erinnerungsfoto vor dem markanten Eingangsbereich schießen, an dem Scottie im Film auf Madeleine (Kim Novak) trifft. Lediglich die Farbe der Tür und das schmiedeeiserne Geländer waren erneuert worden. 

 

Seit 2012 versperrt eine Mauer den Blick auf Scotties Haus

 

Bei meinem Besuch 2011(siehe Fotogalerie) war noch alles beim Alten, zwei Jahre später dann die Ernüchterung: Auch dieses Stück Filmgeschichte gehört inzwischen unwiderruflich der Vergangenheit an. Zumindest in ihrem ursprünglichen Zustand. Die Fassade wurde vom Besitzer neu gestaltet und der Eingangsbereich mit einer hohen Mauer gegen neugierige Blicke abgeschirmt. Es war vermutlich eher das generell hohe Touristenaufkommen an der berühmten Lombard Street als die Filmfans, die ihn zu dieser Maßnahme veranlassten.

 

Das Appartement liegt in der direkten Verlängerung der charakteristischen Serpentinen, die sich seit 1927 die extrem steile Lombard Street herunter winden und das Gefälle von 27 % entschärfen. Der Straßenabschnitt ist längst zu einem der Wahrzeichen der Stadt geworden. Tägliche tummeln sich hier tausende Besucher aus der ganzen Welt. 

Auch in anderen Filmen und Videospielen taucht die Lombard Street auf. In GRAND THEFT AUTO wird sie passend in "Windy Windy Windy Windy Street" umgetauft. Steve McQueens legendäre Verfolgungsjagd in BULLITT (1968) wurde direkt nebenan in der Filbert Street gedreht, die mit 31 % Gefälle sogar noch steiler ist als die Lombard. 

 

Fort Point und das Vertigo-Hotel verströmen noch Filmatmosphäre 

 

Um eine der letzten erhaltenen Locations von Vertigo zu besichtigen, muss man daher zum Fort Point weiterfahren. Der unterhalb des südlichen Ende der Golden Gate Bridge gelegene ehemalige Militärstützpunkt bietet mit freiem Blick auf die Brücke eine beeindruckende Kulisse. Hier rettet Scottie im Film Madeleine vor dem Ertrinken. Verhältnismäßig wenige Touristen verirren sich hier her und somit verströmt zumindest dieser Ort immer noch ein wenig Filmatmosphäre.  

 

In Betrieb ist auch noch das Empire Hotel an der 940 Sutter Street. Hier spürt Scottie Madeleines vermeintliche Doppelgängerin Judy auf. Nur der Name hat sich geändert. Es heißt jetzt - wie sonst - Vertigo Hotel. Die Zimmer 501 und 502 wurden im Originalzustand von 1957 belassen. Gedreht wurde hier zwar nicht, aber die Räume dienten seinerzeit als Vorlage für die Nachbauten im Studio. In bester Lage ist die Übernachtung hier für den gebotenen Standard allerdings nicht ganz billig.  

 



To Catch A Thief (1955)

Ein Besuch bei John Robie an der Côte d’Azur

Meine bezaubernde Gastgeberin in der Villa Bellabé in Nizza überschüttet mich beim Frühstück mit Insidertipps für meine erste Sightseeing-Tour. Hitchcock-Locations nennt sie keine, dabei klapperte das Filmteam bei den Dreharbeiten zu TO CATCH A THIEF (Über den Dächern von Nizza) so ziemlich jede Touristenattraktion ab, die man zwischen Cannes und Monte Carlo finden kann. Als ich ihr mein Anliegen offenbare, lacht sie und winkt ab: Cannes habe außer Luxus-Boutiquen und Privatstränden nicht viel zu bieten, Saint-Jeannet sei eher unspektakulär und die Orte an der Panoramastraße Grande Corniche Richtung Monte Carlo überlaufen.

 

Ich mache mich natürlich trotzdem auf den Weg. 40 Minuten quält man sich aus dem dichten Verkehr in Nizzas Innenstadt heraus, bis man über gewundenen Bergstraßen im Hinterland die ersten Häuser von Saint-Jeannet erreicht. Passt man nicht genau auf, fährt man zunächst mal an der der Hausnummer Rue de Saint-Jeannet 335 vorbei. Die Villa des Bijoux liegt nämlich bereits einen guten Kilometer vorm eigentlichen Ortseingang.  

 

 

Als wäre Cary Grant eben erst hier gewesen...

 

Im Film ist hier Cary Grant als John Robie, dem Juwelendieb im Ruhestand, zu Hause, der falschen Verdächtigungen durch die Polizei ausgesetzt ist und sich zwischenzeitlich auf dem Dach zwischen den zwei Schornsteinen in Deckung bringt. Die Location wurde sorgfältig gewählt, hat man von hier nicht nur die Altstadt mit der historischen Kirche im Hintergrund als Kulisse, sondern auch den Baou de Saint-Jeannet, einen spektakulären, 800 Meter hohen Kalkfelsen, der das gesamte Stadtbild prägt.

 

Bis auf wenige Veränderungen ist die Villa in ihrem Originalzustand so gut erhalten erhalten geblieben, als wäre Cary Grant eben erst durchs Eingangstor gekommen, um hier an der Straße in den Bus zu steigen, nachdem seine Haushälterin die Cops auf eine falsche Fährte lockt und in eine wilder Verfolgungsjagd verwickelt.  

 

Im direkten Vergleich wirkt Monte Carlo heute verbaut

 

Die Szenen der Verfolgungsjagd wurden in verschiedenen Dörfern gedreht. Kameraeinstellungen aus einem Helikopter sind unter anderem in Le Bar-sur-Loup bei Grasse entstanden. Eine weitere Einstellung zeigt das flüchtende Auto auf der Route de Caussols mit dem Dörfchen Gourdon in der Ferne.  Auch die lange Autofahrt mit Grace Kelly, die im Film die Millionärstochter Frances Stevens verkörpert, entstand an unterschiedlichen Orten, die einen räumlichen Zusammenhang nur vorgaukeln. 

In das kollektive Gedächtnis der Fans hat sich vor allem die Picknickszene eingebrannt, die eine atemberaubende Grace Kelly vor einer nicht minder atemberaubender Kulisse mit Blick über Monaco zeigt. Gedreht wurde in einer der vielen Haarnadelkurven bei Beausoleil.

 

Als ich an der Stelle halte, um zu fotografieren, ist die Situation weniger romantisch. Der Blick auf die Stadt wirkt anno 2016 im Vergleich zu 1955 verbaut und passend dazu knattern direkt hinter mir die Motoren von Baggern und Kränen, die hier einen weiteren Komplex mit Luxus-Appartements aus dem Boden stampfen. 

 

Hitchcock drehte nicht zum ersten Mal hier

 

Auch auf die Grande Corniche treffen die Warnungen meiner Gastgeberin zu. Schroffe Berge, deren Felsen in das tiefblaue Mittelmeer tauchen und die idyllische Städtchen lassen hier den Weg zum Ziel werden - eigentlich. Doch die Schönheit hat ihren Preis. Viele Touristen bedeuten auch viel Verkehr. In Èze, das auch im Film auftaucht, ist kaum ein Parkplatz zu finden. Bevor Hitchcock hier die sogenannte "Devil's Bridge" für TO CATCH A THIEF verwendete, filmte er sie bereits 1928 für EASY VIRTUE.

 

Grace Kelly verunglückte später auf der gleichen Strecke tödlich  

Etwas oberhalb in La Turbie ist kaum weniger los. Direkt am Ortseingang entstand die Szene, in der Gerace Kelly aufgrund ihres rasanten Fahrstils beinahe eine alte Frau übersieht. Berühmte Ironie des Schicksals, das Kelly 1982 auf der Route de La Turbie Richtung Monaco bei einem Autounfall tödlich verunglückte.

 

Weitere Sequenzen für den Film wurden auch direkt in Nizza gedreht. Der traditionelle Blumenmarkt in der Altstadt existiert bis heute. Für die Dreharbeiten wurde er jedoch am Boulevard Jean Jaurès nachgebaut, weil man dort ungestörter filmen konnte. Die Drehorte in Cannes am Strand sind schließlich auch wenig charakteristisch und es stellt sich heraus, dass ich mich abseits meiner Suche nach Drehorten bestens auf die Insidertipps meiner Gastgeberin verlassen kann und es auch weniger überlaufene Schönheiten in der Region zu entdecken gibt.   

 

 

 



The 39 Steps (1935)

Die berühmteste Brücke Großbritanniens 

Auch 39 STEPS (Die 39 Stufen) wurde von Hitchcock zum größten Teil in den Lime Grove Studios in Shepherd's Bush, einem Stadtteil im Westen Londons, gedreht. Der Gebäude Komplex wurde 1993 abgerissen. On Location wurde nur in Edinburgh in Schottland und London gedreht, um vor allem zwei markante Bauwerke in Szene zu setzen: Die Forth Bridge, eine Eisenbahnbrücke, die im Westen von Edinburgh den Meeresarm "Firth Of Forth" überquert und Park Crescent. 

 

Die Forth Bridge gilt bis heute als die berühmteste Brücke Großbritanniens. Somit war sie gerade richtig, um hier im Film Robert Donat als Richard Hannay auf der Flucht vor der Polizei spektakulär aus dem Zug springen zu lassen. 

Zum Finale des Films rückt die historische Reihenhausanlage Park Crescent in den Fokus, die von Architekt John Nash im Zentrum Londons zwischen 1819 und 1821 gebaut wurde und seinerzeit zur modernen Stadtplanung gehörte. Nach wie vor ist Park Crescent eine noble Adresse in London. 



Quellen

Bücher
•    Beier, Lars-Olav, Seeßlen, Georg (Hg.): Alfred Hitchcock; Bertz Verlag; 1999.
•    Graham, Bruce: Bernard Herrmann: Film, Music and Narrative; Ann Arbor; 1985.
•    Patalas, Enno: Alfred Hitchcock Potrait; DTV; München; 1999.
•    Truffaut, Francois: Truffaut/Hitchcock, Diana Verlag München; 1999.
•    Wood, Robin: Hitchcocks´s Film Revisited; Columbia University Press; 2002.
•    Duncan, Paul: Alfred Hitchcock – Sämtliche Filme; Taschen; München;  2003.

DVD
•    Hitchcock, Alfred: Im Schatten des Zweifels; Universal; 2001.
•    Hitchcock, Alfred: Vertigo; Universal; 2001.
•    Hitchcock, Alfred: Die Vögel; Universal; 2001.

 

Aktuelle Fotos und Footage der Locations von Christian Düringer und Ulrike Kosack, Text von Christian Düringer