Any Way, Shape Or Form

Ein furioses Kapitel amerikanischer Roots Music

(VÖ: 9/2014, New West Records)
(VÖ: 9/2014, New West Records)

Für die Ben Miller Band waren es zwei ereignisreiche Jahre. Die Tourneen mit ZZ Top und ihrer Freundin Valerie June gerieten zum Triumphzug. Selten punktete eine Vorband so schnell und so verlässlich wie es Miller, Doug Dicharry und Scott Leeper es taten. Billy Gibbons war so begeistert von den Jungs, dass er sie 2013 spontan ins Line-Up des legendäreren Montreux Jazz Festivals hievte.

 

Auf die Tour folgte ein Plattenvertrag mit New West Records. Als Label-Kollegen von Kris Kristofferson, Steve Earl und Jason Isbell nahmen sie schließlich Anfang 2014 in den Sputnik Studios in Nashville ihren Nachfolger von HEAVY LOAD auf. An den Reglern saß mit Vance Powell jemand, der bereits mit Jack White, den White Stripes, Wanda Jackson, Willie Nelson und Kings of Leon zusammen gearbeitet hat. Eine echte Hausnummer also und das hört man dem Ergebnis auch in jeder Faser an. ANY WAY, SHAPE OR FORM ist das bisher 

facettenreichste und ehrgeizigste Album des Trios aus Joplin/Missouri. Im grollenden, vom Banjo dominierten Opener "The Outsider" beschwört Miller seinen nonkonformistisch Lifestyle: "Help me to keep me hungry, kee my vision clear / Lord, won't you keep me an outsider here".

 

Dann macht sich Powells clevere Strategie bemerkbar, die Band im Studio musikalisch breiter aufzustellen und ihr ein Gegengewicht zur starken Rythmusfraktion zu spendieren. Tschad "Gravy "Graves furiose Performance an Dobro, Slide Guitar und Pedal Steel entpuppt sich als genialer Schachzug. Sie entlastet Miller und ermöglicht es der Band in ganz neuen Fahrwassern zu surfen.  

 

Graves rasantes Fingerpicking in "Ghosts" unterstreicht ihre Bluesgrass-Ambitionen und seine Pedal Steel veredelt die glorreiche County-Ballade "I Feel For You". Das jazzige "23 Skidoo" versprüht den Charme einer hundert Jahre alten Vaudeville-Aufführung. Miller singt dazu mit rückverlagerter Stimme über all die Menschen, die in seinem Leben bisher ein und aus gingen, bis der Song zwischenzeitlich in eine Bridge aus Seemannschor und einer Trompeten- Fanfare Dicharrys umschlägt. Großartig.

 

Mit der aus ihren Shows bekannten Wucht geht es beim Stampfer "Hurry up and wait" zur Sache. Dicharry leistet auf dem Washboard ganze Arbeit und pumpt zum psychedelischen "The Cuckoo" seine elektrisch verstärkten Spoons durch ein Meer aus Hall und Rückkopplungen. 

Das Square Dance taugliche "Twinker Toes" ist ein gottverdammter Ohrwurm, den man nie wieder los werden wird und wer da noch zweifelt, dass die Ben Miller Band jeden Saloon der Stadt mitreißen kann, wird spätestens bei "Prettiest Girl" eines Besseren belehrt.  Der Country-Walzer über das schönste aber auch eingebildetste Mädchen auf der Tanzfläche gerät zur herrlich-zynischen Abrechnung, bei der am Ende jeder Gast der Bar lauthals im Chor mit einstimmen kann: "You're the pretties girl at the dance, but the dance is almost done."    

 

"Life on Wheels" erzählt vom ereignisreichen Tourleben, "No War" ist als politisch Folkballade eine Neueinspielung vom Debüt und das von Miller nur auf akustischer Gitarre vorgetragene "King Kong" erinnert an dessen frühen Dylan-Einflüsse und belegt eindrücklich seine Songwriter-Qualitäten. Ein Ausrufezeichen am Ende. 

 

Größtenteils live eingespielt, löst die Ben Miller Band auf ANY WAY, SHAPE OR FORM mit ihrem teils herrlich verschroben-anachronistischen, aber immer auch innovativen und inspirierenden Sound das Versprechen ihrer Konzerte ein und ringt dem musikalischem Erbe ihrer Heimat  ein weiteres Kapitel ab. Das mühelose Verschmelzen verschiedener Stile des amerikanischen Südens zu ihrem ganz eigenen gelingt ihnen hier in Perfektion.   

 

Vinyl-Info 

Die limitierte 180 g LP wurde extra für Vinyl gemastert. Purple Vinyl. Enthalten sind Download-Code und ein großformatiges, 11-seitiges Booklet mit alle Texten und Artworks.   



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