Daniel Romano - Come Cry With Me

Mehr als ein Gram Parsons Epigone

(VÖ: 1/2013, Norman Town)
(VÖ: 1/2013, Norman Town)

Das LP-Cover in stilechter Aufmachung von Country-Platten der 50er und 60er Jahre wirkt anno 2013 zunächst ein wenig wie eine Parodie: Ein junger Mann Mitte 20 mit Schurrbart, Cowboyhut und Pailletten-Anzug gekleidet posiert dort unter dem Albumtitel und seinem Namen in großen Western-Lettern. Doch sobald sich die Nadel durch den Opener gräbt wird klar, Daniel Romano meint es durchaus ernst, surft er doch gleich zu Beginn im besten Sinne auf der Welle klassischer Country-Spielarten. Jüngst empfahl sein Kollege Shooter Jennings, Sohn des großen Waylon, seinen Fans sich doch mal COME CRY WITH ME anzuhören, das sei "Gram Parsons mixed with George Jones". Jennings trifft die Sache ziemlich genau.

 

Romano befasst sich in bester Honky-Tonk-Manier überwiegend mit Alltagsproblemen, Herzschmerz, Alkohol und  Angst um die eigene Zukunft: "Mama please tell me why / You would leave just me behind / You sent me off and then you went and have my brothers / Before me, a little girl / And they’re the center of your world / Mama tell me why'd you leave the middle child", singt Romano in "Middle Child", einem herzzerreißenden Stück über einen Mann, der an einer Bar über die verwehrte Liebe seiner verstorbenen Mutter sinniert. Ein Klassiker auch das Heartbroken-Man-Thema von "Crying Over You", das die Geschichte eines gekränkten Liebhabers erzählt, der seiner Verflossenen glauben machen möchte, dass  die Tränen, die er ihr nach weint, nicht echt seien. "Chicken Bill" ist dann ein Uptempo-Nummer mit lässigem Johnny Cash-Twang. Aaron Goldstein an der Pedal Steel, Natalie Walkers Fiddle und verschiedenen Backround Begleiterinnen veredeln musikalisch jedes Stück.  

 

Immer wieder drängen sich einem zwangsläufig viele weitere Referenzen aus vergangenen Country-Epochen auf, von Hank Williams bis zum frühen Willie Nelson. Daniel Romano wurde 1987 geboren und hat die Hochphasen jener Künstler, die er hier huldigt, nicht selbst miterlebt. Er ist allerdings auch zu jung, sich je über sie lustig gemacht zu haben, wie vielleicht noch die Generation vor ihm. Zu groß ist inzwischen die zeitliche Distanz und entsprechend unbefangen geht der Kanadier hier zu Werke.

 

Diese Unbefangenheit ist sicher der größte Bonus, den man der LP zurechnen kann. Schlecht gemacht kann ein Album wie dieses schnell eine Reise in die Vergangenheit werden, bei der man lieber die Originale auflegen möchte anstatt das zu hören, was sich gerade auf dem Plattenteller dreht. Dass das hier nicht der Fall und COME CRY WITH ME mehr als nur ein Nostalgie-Trip ist, verdanken wir vor allem Romanos unverstelltem, gänzlich ironiefreien und fast naivem Engagement für dieses Projekt. Zudem stimmt die Umsetzung. Romanos Songwriting überzeugt bei jedem der zehn Songs und die Arrangements seiner Band können sich mit jedem Genre-Klassiker messen. COME CRY WITH ME ist kein plumper Rip-Off sondern eher ein liebevolles Update vergangener Tage, das mühelos alles schlägt, was gegenwärtig so in Nashville produziert wird. 

 

★★★★