Dawn McCarthy & Bonnie ‘Prince’ Billy – What The Brothers Sang

Entspannte Hommage an die Everly Brothers und andere

(VÖ: 2/2013, Domino)
(VÖ: 2/2013, Domino)

Als Dawn McCarthy und Will Oldham alias Bonnie "Prince" Billy zu Weihnachten die rührende Single "Christmas Eve Can Kill You" veröffentlichten, kündigte sich bereits an, dass dies nur der Vorbote für ein ganzes Album mit Coverversionen der Everly Brothers sein würde. Auch die zwei unterschiedlichen B-Seiten waren damals Neueinspielungen aus der Feder des in den 50er- und 60er Jahren immens erfolgreichen Brüderduos Don und Phil, die zu ihrer Hochphase am Vorabend der Beatlemania in den USA der größte Pop-Act des Landes waren. Auf WHAT THE BROTHERS SANG folgt also nun mit 13 weiteren Neuinterpretationen ein üppiger Nachschlag an Songs, die die Brüder einst sangen. Die Idee dazu kam McCarthy, als ihre kleine Tochter im Grundschulalter damit begann, die alten LPs der Brüder rauf und runter zu hören. McCarthy, die bisher als Teil des Acid Folk Kollektivs Faun Fables und als Muse Oldhams auf dessen 2006er LP THE LETTING GO in Erscheinung getreten ist, fungiert also als treibende Kraft hinter diesem Album und da ist es nur folgerichtig, dass ihr Name auf dem Cover dieses Mal nicht nur Erwähnung findet, sondern auch an erster Stelle genannt wird.

 

Herausgekommen ist eine liebevoll gestaltete, entspannte Sammlung von Liedern, die die Everly Brothers zwar nicht alle geschrieben, aber zumindest interpretiert haben. Schon der Opener "Breakdown" ist eigentlich nicht durch die Einspielung der Brüder kurz vorm vorläufigen Karriereende 1972 in Erinnerung geblieben, sondern durch das Original von Kris Kristofferson. Andere vertretene Songs ließen sie sich selbst nur durch seinerzeit namhafte Songwritern wie Ron Elliott ("Empty Boxes") oder Felice und Boudleaux Bryant ("Devoted To You") auf den Leib schreiben. Mit der Coverversion von "Poems, Prayer and Promises" verneigt sich Oldham auch eher ein weiteres Mal vor dem oft zu Unrecht verpönten Urheber John Denver, für dessen Tribute-Album er bereits 2000 einen Track beisteuerte und damit ein wenig zur posthumen Rehabilitierung dieses unterschätzen Songwriters beitrug.

 

Letztendlich tauchen ganze vier Songs auf, die tatsächlich aus der Feder von Don Everly stammen und die zählen auch nicht gerade zu den größten Hits des Duos. Aber Oldham wäre auch nicht Oldham, würde er sich für dieses ohnehin ungewöhnliche Projekt an einem Best Of...-Katalog abarbeiten. Wer sich also einen originalgetreuen Aufguss von "All I Have To Dream", "Bye Bye Love" oder "Wake Up, Little Susie" erhofft, ist fehl am Platze. Die eigenwillige Songsauwahl zeugt von einer sehr persönlichen Annäherung der beiden Musiker an das Gesamtwerk der Brüder und durch die bodenständige Inszenierung im Country- und Americana-Gewand gelingt es ihnen auf beeindruckende Weise, die in eher fernen Pop-Sphären entrückten Vorlagen zu erden. Dabei helfen zahlreiche befreundete Gastmusiker wie Billy Contreras, John Mock, Dan Dugmore und Matt Sweeney.

 

Bonnie "Prince" Billy ist für seinen gigantisches Output bekannt und gefürchtet und auch wenn es kaum möglich ist, bei der Flut an EPs, LPs, Singles und Seitenprojekten immer am Ball zu bleiben, WHAT THE BROTHERS SANG hat es verdient, darin nicht unterzugehen.  

 

 ★★★★