Kurt Vile - Smoke Ring For My Halo

Somnolentes Meisterwerk vom Songwriter aus Philadelphia

Wenn Sonic Youths Kim Gordon und Dinosaur Jr. Mastermind J Mascis ein Paar gewesen und einen Sohn bekommen hätten, es wäre vermutlich Kurt Vile gewesen. Waren sie aber nicht und so sind sie nur bewundernde Unterstützer und Fans des 31jährigen Sängers, Songwriters und Gitarristen aus Philadelphia, der so perfekt ins Bild des schlurfigen LoFi-Slackertums der frühen 90er gepasst hätte. Auf seinem vierten Album SMOKE RING FOR MY HALO dreht sich Vile gemächlich in seinem eigenen kleinen Universum um sich selbst. "I'd pack a suitcase with myself but I'm alreday gone", singt er gleich zu Beginn in "Jesus Fever", um sich später im letzten Track "Ghosttown" gelangweilt mit den Worten "Think I'll never leave my couch again/cuz when I'm out, I'm on it in my mind" wieder zu verabschieden. Eine öde Angelegenheit, könnte man beim flüchtigen Reinhören meinen, zumal Viles Band, die Violaters, einen recht statischen, fast hypnotischen und damit passgenauen Soundtrack zu den abstrakten Gedankenwelt ihres Frontmanns beigesteuert zu haben scheinen.

Doch Vile versteht es auf eindrucksvolle Weise seine Hörer mitzunehmen in seine Lethargie zwischen Sofa und Plattenladen an der nächsten Straßenecke. Wenn man sich auf die Platte einlässt, schälen sich aus dem tranigen, fast monotonen Flow ziemlich schnell unzählige wunderschöne Nuancen heraus, die das Album schließlich so facettenreich aufblühen lassen. Wie aus überreifen Knospen platzen einem beim zweiten und dritten Spin unwiderstehliche Melodien, Harmony Vocals und ausgefeilte Gitarrenriffs förmlich entgegen. "Jesus Fever", sicher der eingängigste Track des Albums, ist zu Beginn der perfekte Dosenöffner. Viles lakonisch-lässiger Gesangsstil erinnert nicht selten verblüffend an Lou Reed, solange er nicht gegen Ende einer Zeile die Silben wie der Dylan der Sechziger dehnt. Viles Welt ist bevölkert von Tomboys, Kumpels, Girls, Gitarren, Jesus und Kinks Platten: "Christ was here/you just missed him/now I'm out/going down a second/to all the stores/to see my friends/to find kinks vinyls." Trotz der düsteren Untertöne, Kurt Vile zeigt stets auch seinen Sinn für Humor, wenn auch etwas zynisch. In "Society" heißt es etwa: "Society is my friend/hemakes me laugh/down in a cool bloodbath..." Zum Schluss marodiert Viles Stimme am Ende von "Ghosttown" im Feedback seiner Gitarre und verschwindet. Großartige Platte! Kein Wunder, dass J Mascis ihn auf seinem nicht minder großartigem Solo-Debüt SEVERAL SHADES OF WHY  zur Unterstützung anheuerte. Die Vinyl-Edition kommt mit vollständigem Lyric-Sheet. ★★★1/2