Kurt Vile - Wakin On A Pretty Daze

Slow down

(VÖ: 4/2013, Matador)
(VÖ: 4/2013, Matador)

Beim nüchternen Blick aufs Papier stutz man. Alleine 20 Minuten für die beiden Tracks zum Ein- und Ausstieg von WAKING ON A PRETTY DAZE muten zunächst mal kackendreist an. Da macht schon ellein der Titeltrack all jenen einen Strich durch die Rechnug, die mal eben hektisch reinhören wollen. Einige dürften es nicht mehr gewohnt sein, aber diese Platte verlangt tatsächlich Zeit und Aufmerksamkeit. Kurzweilig will hier gar nichts sein, anbiedernde Hits sucht man vergebens und auch was griffiges für einen Sampler findet man nicht so schnell wie noch auf dem Vorgänger SMOKE RING FOR MY HALO. Okay, "Shame Chamber" zündet immerhin spätestens beim zweiten Spin aber ansonsten inszeniert der Songwriter aus Philadelphia in Seelenruhe seine Songs, lässt sie nach Lust und Laune aus dem Ruder laufen, vor sich hin wabern und einfach treiben. Letztendlich liegt aber der Clou von Kurt Viles nunmehr fünfter LP jedoch genau darin, dass man sich in ihrer Weitläufigkeit und Gelassenheit verliert und die Schönheit erst immer hinter der nächsten Kurve zu Gehör bekommt. 

 

Obwohl er größtenteils auf ein übliches Verse/Chorus/Verse-Schema verzichtet, schälen sich dabei überall unverschämt eingängige Hooks, Gitarrensolos und Gesangsparts heraus. Man muss nur genau oder eben zwei bis drei Mal hinhören, um sie zu erkennen. Im Vortrag zelebriert Vile hemmungslos cool und beiläufig vor sich hin nuschelnd sein traniges Selbstverständnis. Er scheint diese Entwicklung von Platte zu Platte mutiger und kompromissloser zu forcieren. Der Hang zur Lethargie und schlafwandlerischen Lässigkeit zeichnete Viles Stil von Beginn an aus, doch in so unaufgeregten Bahnen hat er seine Songs bisher noch nie kreisen lassen. Über die Hälfte der Songs sprengen die Sechsminutenmarke. Der Sound wurde zudem von Platte zu Platte transparenter, die Arrangements ausgefeilter und die Produktion kompakter. Fans der ersten Stunde werden den etwas zerschossenen Lo-Fi Charme vermissen, aber Viles Gesamtpaket wirkt nun stimmiger denn je. Kein Album für schnell mal eben zwischendurch, mehr was fürs Kopfkino. Wer die Muse aufbringt sich darauf einzulassen, wird reich belohnt. ★★★★1/2 

 

 

Vinyl-Info: Die Aufmachung ist mal wieder vorbildlich vom Feinsten und das zu einem fairen Preis von 15 € beim Release. LP kommt in hochwertigem Foldoutcover inklusive Downlaod Voucher. Top Pressung, knackiger Sound. Zudem gibt es eine limitierte Vinyl-Version mit alternativem Coverartwork.