Merle Haggard - Working in Tennessee

Kauzig und herrlich von vorgestern zieht Hag auch mit 74 sein Ding durch

(VÖ: 09/2011, Foto: Century Media)
(VÖ: 09/2011, Foto: Century Media)

"There's too much Boogie Woogie not enough Ernest Tubb", rechnet Hag mit dem gegenwärtigen Einheitsbrei aus Nashville ab. Yeah, der Mann ist so herrlich von vorgestern und hat damit ja irgendwie auch sowas von recht. "Thank God For Marty Stuart, Thank God For Emmylou..." Es gibt Stimmen, die meinen, man hätte Haggard einen angesagten Produzenten wie Rick Rubin oder T-Bone Burnett an die Seite stellen sollen, der ordentlich Kultpotential aus der Legende herausfiltern hätte können - wie seinerzeit bei Johnny Cash. No way, denn Hag ist immernoch genau deshalb der derbste Chief Rocker von allen, weil er kauzig und unbeugsam sein eigenes verstaubtes Ding durchzieht. Der Mann, der einst mit neun von zu Hause ausriss, auf einen Güterzug aufsprang, um mit 18 im Knast von San Quentin zu landen, ist nach Cashs Tod gemeinsam mit Willie Nelson und Kris Kristofferson der letzte seiner Generation. Früher war alles besser, das betont er seit Jahern störrisch, aber mit ein bisschen Pot lässt sich die Realität auch ganz gut mit einem Augenzwinker ertragen: "Laugh It Off".

 

Auf "Working In Tennessee" dominiert entspannter Western Swing, eingespielt in familiärer Runde. Beim Cover "Jackson", einer genau wie "Cocaine Blues" eher überflüssigen Hommage an Johnny und June, ist Hags Frau Theresa im Duett zu hören, eine Neuinterpretation von "Working Man Blues" wird durch Gastvocals von seinem 17-jährigen Sohn Ben und - obligatorisch - Willie Nelson gerechtfertigt. Schön, dass der Mann noch da ist - so wie er ist. Thank God For Merle Haggard. ★★★1/2