Willie Nelson & Asleep At The Wheel – Willie And The Wheel

Eine Western-Swing-LP in Nelsons Karriere-Herbst

(VÖ: 06/2010, Foto: Proper Records)
(VÖ: 06/2010, Foto: Proper Records)

Im Spätherbst seiner Karriere zollt Willie Nelson endlich doch noch ausgiebig seiner Vorliebe für Western-Swing Tribut. Bereits zu seinen Zeiten bei Atlantic Records Anfang der 70er Jahre forcierte Label-Kopf Jerry Wexler vergeblich die Entstehung eines Albums mit entsprechender Ausrichtung. Zwar finden sich vereinzelt Aufnahmen wie "Stay All Night" von Western-Swing Pionier Bob Wills auf Nelsons Platten jener Jahre aber so konsequent wie zurzeit verharrte er bisher nie auf diesem Nebengleis des Country.

2006 widmete sich Nelson auf dem bemerkenswerten YOU DON'T KNOW ME retrospektivisch dem Schaffen der Grande Dame des Country-Songwriting Cindy Walker und wählte dabei überwiegend ihre Western-Swing-Kompositionen, die sie zum großen Teil mit Wills schrieb. Im darauffolgenden Jahr erschien dann LAST OF THE BREED, eine Kollaboration mit den alten Weggefährten Merle Haggard und Ray Price. Neben eigenen Stücken coverte das Trio hier eine Vielzahl altebekannter Country-Klassiker, von denen abermals einige in bester Western-Swing-Manier interpretiert wurden. Für die gleichnamigen Tournee konnte die in diesem Genre beheimatete Formation Asleep At The Wheel aus Austin gewonnen werden, also genau jene Band, die Wexler schon damals gern zusammen mit Nelson im Studio gesehen hätte.

Was seinerzeit nicht realisiert werden konnte, wird jetzt in die Tat umgesetzt. Im Anschluss an die gemeinsame Tour wurde das nun vorliegende WILLIE AND THE WHEEL eingespielt. Schon das Cover im Vintage-Look der 50er Jahre weist augenzwinkernd darauf hin, dass man nicht mit Innovationen oder neuen Kompositionen zu rechnen hat. Vielmehr erwartet den Hörer ein lupenreines Western-Swing Album mit zwölf neu eingespielten Klassikern, bei denen Bob Wills Geist mehr denn je über allem zu schweben scheint. Vom Meister einst selbst erfolgreich performte Songs wie "Corrine Corrina", "I’m Sitting On The Top Of The World" oder "Right Or Wrong" bilden das Rückrat des Albums und werden durch etwa Spadey Cooleys Hit "Shame On You" und zahlreiche Traditionals ergänzt.

Neben Nelson geben sich auf "Willie And The Wheel" 15 weitere Musiker die Ehre und verströmen von Beginn an eine agile und launige Session-Atmosphäre, ohne das Repertoire allzu routiniert abzuspulen. Neben den lässig aufspielenden Asleep At The Wheel (Gitarre, Fiddle und Bläser dominieren das Klangbild) sind auch Gäste wie Paul Schaffer, Bandleader und Sidekick in David Lettermans Show, am Piano zu hören. Nelson ist wie zuletzt gesanglich voll auf der Höhe und wird abwechselnd von Wheel-Frontmann Ray Benson sowie Elizabeth McQueen und Jason Roberts unterstützt.

Das gefällige Gesamtbild von WILLIE AND THE WHEEL wirkt heute womöglich konservativer und unverfänglicher als eine ähnliche Platte zu Zeiten von Nelsons subversiver Outlaw-Phase gewirkt hätte. Andrerseits rückt er wie damals so konsequent davon ab irgendwelche Konzession an den Zeitgeist zu machen, dass er mit einem im Prinzip überraschungsarm altmodischen Album wieder stärker Akzente setzen kann, als in den 80er und 90er Jahren. Die souveräne Unbeirrtheit, mit der der 76-Jährige hier nebst seinen Mitstreitern zu Werke geht macht schnell klar, dass hier niemand mehr irgendwem etwas beweisen will oder muss. Bedauerlich, dass Jerry Wexler im vergangenen Jahr verstarb und dieses Album nicht mehr hören kann. ★★